Casa Hogar

ÜBER UNS / CASA HOGAR - Worum geht's?

Kurz und knapp: Was ist CASA HOGAR?

CASA HOGAR ist eine in Deutschland gegründete Initiative zur Entwicklungsarbeit in Kolumbien, die ihren Schwerpunkt im Bereich der Frauenbildung setzt.

Erstes Ziel von CASA HOGAR ist es, für Mädchen in der kolumbianischen Region Chocó einen Ort zu schaffen, an dem sie sicher sind vor Ausbeutung und Prostitution, an dem sie nicht ums tägliche Überleben kämpfen müssen; einen Ort, wo sie Stärkung erfahren, wo sie lernen können und einen Abschluss erhalten, der für die Universität qualifiziert: ein Wohnhaus und eine Schule.

Daher betreut und finanziert CASA HOGAR durch Spendeneinnahmen den Bau und die Inbetriebnahme eines Wohnhauses für 20 sieben- bis zwölfjährige Schülerinnen des bischöflichen Colegio Diocesano im kolumbianischen Istmina, um die Frauenbildung vor Ort zu fördern. Zusätzlich wird das Schulgebäude um ein weiteres Stockwerk ergänzt, damit insgesamt bis zu 500 Kinder am Unterricht teilnehmen können und die Kapazitäten vorhanden sind, sie zur Hochschulreife zu führen. Das Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit der amtlich registrierten Stiftung CASA HOGAR Kolumbien, der Pater José Doney, Leiter des Colegio Diocesano, und Julio Hernando García Peláez, Bischof des Bistums Istmina-Tadó, vorstehen. Es gibt ein ehrenamtliches Team in Deutschland und ein Team in Kolumbien, beide bilden die Säulen von CASA HOGAR. Im Februar 2016 hat der Bau des Wohnhauses begonnen. Nach baulichen Schwierigkeiten steht es mittlerweile (Mai 2017) kurz vor der Fertigstellung. Den aktuellen Stand rund um die Finanzierung und Entwicklung des Hauses und des Schulausbaus gibt es hier.

CASA HOGAR – sprich: kása ogár – ist spanisch und lässt sich wörtlich ins Deutsche übersetzen als: „Haus Herd“. In Lateinamerika ist „casa hogar“ ein feststehender Begriff und bedeutet in etwa „Heim“ oder „Heimat“. Wer „casa hogar“ sagt, denkt an einen sicheren Ort, an Geborgenheit, an sorgenfreies Wohlfühlen. Einen solchen Ort wollen wir den Schülerinnen in Istmina bieten.

Wie ist CASA HOGAR überhaupt entstanden?

Die Geschichte geht so: Im Januar 2015 reist der junge Bonner Arzt Dr. Theodor Rüber nach Kolumbien, um für einige Wochen als Praktikant in einem Krankenhaus im Chocó zu arbeiten. Die Region Chocó, nahe der Pazifikküste, ist größtenteils von Urwald bedeckt, das Klima ist tropisch – und der Landstrich verfügt über reiche Bodenschätze, vor allem Gold.

Besonders Mädchen haben in der von Machismo geprägten Gesellschaft kaum Chance auf eine würdevolle Jugend. Viele werden schon als Kinder schwanger, weil die Männer sich ihrer bedienen und dann verschwinden. Ohne jede Existenzgrundlage bleiben sie mit ihren Kindern zurück.

Theodor Rüber, der vom Schicksal der Menschen dort betroffen ist, nimmt Kontakt auf zu Bischof Julio García. Der arbeitet seit fünf Jahren im Chocó und führt einen aufopferungsvollen Kampf gegen das Elend und für die Zukunft der jungen Menschen. Mit verschiedenen Bildungsprojekten versucht Julio, zusammen mit seinen Mitarbeitern, gerade Mädchen und Frauen eine Perspektive zu geben. Theodor besucht die bischöfliche Schule in Istmina, das Colegio Diocesano San José, wo den Schülerinnen Grundlagen wie Lesen, Schreiben und auch handwerkliche Fertigkeiten vermittelt werden. Doch außerhalb der Schule fehlt der Schutz, den die Mädchen brauchen, um der Spirale von Armut und Gewalt zu entkommen. Es gibt kein Netz, keine Strukturen. Ein Erlebnis wird für den jungen Arzt Theodor Rüber zum Schlüsselereignis: Ein achtjähriges Mädchen fleht ihn in der Innenstadt um Essen an. Bezahlen will sie mit ihrem Körper. Niemand stört sich daran. Das ist der Alltag in Istmina, Kolumbien.

Der Bischof und sein Generalvikar Padre José Doney, zugleich der Rektor des Colegio Diocesano, und andere, tun, was sie können, aber es reicht nicht. Ihre Vision: ein Wohnhaus für die Schülerinnen, in dem sie behütet von Ordensschwestern aufwachsen, ohne Sorge um das tägliche Essen, ohne die vielen Gefahren, die das Leben auf den Straßen Istmina bereithält.

Bischof Julio weiß: Gut ausgebildete Frauen werden sich selbstbewusster, stärker und mit größerem Einfluss in gesellschaftlichen Fragen zu Wort melden können. Sie werden für die Rechte der Frauen einstehen können. Und: Sie werden maßgeblich Prozesse mitgestalten, die noch über die Frauenrechtsfrage hinausgehen – sie werden mit dem Machismo nicht nur die Unterdrückung der Frau überwinden, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt stärken, das Bewusstsein für Gerechtigkeit, die Solidarität.

Aber es mangelt an finanziellen Mitteln, um diese Idee in die Tat umzusetzen. Als Theodor Rüber nach Deutschland zurückkehrt, macht er sich an die Arbeit. Er will helfen und sammelt ein paar Freunde um sich, erzählt ihnen, was er gesehen hat und was er vorhat. Alle verstehen: Die Mädchen von Istmina sind gefährdet. Sie brauchen ein Haus, in dem sie wohnen können. Und alle sehen: Der Plan ist gut durchdacht.

Flyer werden in Deutschland gedruckt, eine Website eingerichtet, mögliche Sponsoren angesprochen. Innerhalb weniger Wochen gelingt es den Mitstreitern von CASA HOGAR mehr als 60.000 Euro aufzutreiben. Der Erfolg ist überwältigend. In enger Zusammenarbeit mit Bischof Julio wird der Bau geplant. Gleichzeitig statten die staatlichen Behörden das Colegio mit der Berechtigung aus, neun Jahrgänge zu unterrichten — so können die AbsolventInnen die Hochschulreife erlangen.

Anfang 2016 beginnen die Bauarbeiten, aus der Vision wird die Tat.

Der Plan von CASA HOGAR wird angepasst: Damit das Colegio tatsächlich auf neun Jahrgänge aufgestockt werden kann, müssen die Gebäude des Hauses erweitert, Betriebskosten bezahlt und Personal eingestellt werden. Das Team von CASA HOGAR wächst – und auch die Einnahmen. Im Mai 2017 liegen die Spenden bereits bei 170.000 Euro zu Gunsten der Mädchen in Istmina. Alle Mitwirkenden sind sich der Verantwortung bewusst. Bei abendlichen Sitzungen des Teams im Rheinland wird darüber diskutiert, wie das Projekt am Laufen gehalten werden kann. Benefizkonzerte, Kommunikationsstrategien, die neusten Einnahmen und Ausgaben sowie die Neuigkeiten der kolumbianischen Architekten werden besprochen, die Aufgaben verteilt. So arbeiten wir: kollegial, präzise und transparent.

Unsere Vision: Die Klassenzimmer in Istimina sollen bald voll sein, ein Jahrgang nach dem anderen die Schule mit dem Bachillerato, dem kolumbianischen Abitur, verlassen. Jeder im Chocó soll wissen, dass hier in Ismina, in Gestalt des Colegio Diocesano, diese offene Türe steht, hinter der eine bessere Zukunft wartet. Und jede Spende hilft, diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Vamos!

Das Leben im Chocó ist geprägt von Bürgerkrieg, von der Gewalt der FARC-Rebellen, von Armut und Elend. Illegale Minenbetreiber beuten die reichen Goldvorkommen aus. Das Quecksilber, das sie brauchen, um den Rohstoff zu fördern, leiten sie in die Flüsse weiter und vergiften so die Menschen. Es gibt keine öffentliche Sicherheit, keine funktionierende Infrastruktur, keinerlei staatlichen Zugriff und auch keine gute medizinische Versorgung.