Corona NotHilfe im Chocó

CABEZA DE HOGAR

Essensunterstützung für Frauen und ihre Familien in Zeiten von Corona

  

Auch vor Kolumbien hat die Corona-Pandemie keinen Halt gemacht. Seit dem 24. März gilt dort eine landesweite Quarantäne, während der die Bevölkerung ihre Wohnungen nur noch für notwendige Einkäufe und Arztbesuche verlassen dürfen. Vorerst ist die Ausgangssperre bis zum 13. April angeordnet. Es ist allerdings möglich, dass sie verlängert wird (Update 7. April 2020: nationale Quarantäne verlängert bis 27. April 2020). Die kolumbianische Regierung reagierte damit auf die stetig ansteigende Anzahl von Infektionen im Land. In der Region Chocó, wo CASA HOGAR tätig ist, sind bisher keine Fälle dokumentiert. Aber das muss leider nichts heißen: Test müssen über unzulängliche Straßen nach Quibdó, der Hauptstadt des Chocó, gelangen und von dort nach Bogotá geflogen werden. Geeignetes Transportmaterial für die Proben gibt es jedoch nicht, Flüge sind aktuell gestrichen. Doch selbst während sich das Land noch auf einen unkontrollierten Ausbruch des Virus vorbereitet, sind die Folgen im Chocó bereits erschütternd.

84% der Bevölkerung im Chocó arbeitet im informellen Sektor und der Großteil von ihnen lebt von der Hand in den Mund. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben nicht nur die Lebensmittelpreise teils mehr als verdoppelt, sondern sie bedeuten auch, dass all die Personen des informellen Sektors nicht mehr an den Straßen für andere kochen, Obst verkaufen, Schuhe reparieren, Taxi fahren, … dürfen. Ersparnisse, Kranken- oder Arbeitslosenversicherung fehlt. Besonders betroffen von finanziellen Einbußen sind alleinerziehende Mütter, die im Chocó 40% ausmachen. Sie sind nicht nur für ihre Kinder verantwortlich, sondern müssen auch ältere Familienmitglieder versorgen. Ein Tag ohne Einkommen bedeutet für sie ein Tag ohne Essen – für die ganze Familie.

So stehen sie vor einer Entscheidung, vor der keiner stehen sollte: Zuhause bleiben und hungern oder für ein Essen die Gefahr einer Infektion, einer Ausbreitung des Virus sowie einer Strafzahlung in Kauf nehmen. Viele von ihnen würden „lieber an einer Grippe als an Hunger sterben“. Aber trotz allem haben sie noch Hoffnung: Dass der Virus, von dem momentan alle reden, sie nicht ganz so hart trifft, dass sie auch diese Krise gemeinsam durchstehen und, dass bald alles wieder zum Alten zurückkehrt. Wie lange die Menschen im Chocó diesen Zustand aushalten können, weiß niemand.

Aber CASA HOGAR kann nicht einfach ausharren und wegschauen. In enger Zusammenarbeit der Teams im Chocó, in Cali und in Deutschland wurde deshalb ein Projekt gestartet, das Familien im Chocó unterstützt, die aufgrund der Vorkehrungen und Folgen von Corona vor der Entscheidung „Hunger oder Infektion“ stehen.

Projektziel: Das Projekt richtet sich an Familien, die „normalerweise“ von der Hand in den Mund leben, keinerlei Ersparnisse haben und keine staatlichen Hilfen erhalten. Ihnen soll es mit Hilfe von Essenspaketen ermöglicht werden, Zeiten der Quarantäne und Isolation wirklich zu Hause zu verbringen und damit eine Ausbreitung des Virus zu reduzieren. Primäre Zielgruppe sind alleinerziehende Mütter, die für ihre Kinder und Elterngeneration aufkommen müssen. Die Familien leben in Istmina sowie in abgelegenen ländlichen Gebieten. Auf dem Land ist die Not insofern verschärft, da es aktuell keine öffentliche Verkehrsverbindung mit der Stadt gibt und gleichzeitig keinerlei Hilfsgüter dorthin gelangen. Das Projekt wird über unseren Projektpartner Fundación CASA HOGAR Istmina abgewickelt und in enger Kooperation mit lokalen Engagierten und Autoritäten durchgeführt. So wird sichergestellt, dass die Maßnahmen wirklich jene erreichen, die über keine anderen Wege erreicht werden.

Ort: Istmina und ländlicher Teil des Chocó

Projektpartner: Fundación Casa Hogar Istmina

Kosten: nach oben offen (1 Essenspaket = 25€ = 1 Woche Essen für 4-5-köpfige Familie)

Projektabschluss: Projektstart sofort (Ende März 2020)! Aber das Projekt kann nur der Anfang sein. Es werden weitere Projekte folgen müssen. Wir sind im ständigen Kontakt mit den Menschen vor Ort, um die akuten und langfristigen Bedürfnisse im Chocó zu erfahren und – wann und wie möglich – zu unterstützen.

Spenden an CASA HOGAR helfen, dass es nicht bei einmaligen Aktionen bleiben muss und wir alle gemeinsam die Krise überstehen können.