Medizinische Unterstützung und Weiterbildung für Istmina und Umgebung (Mission UBUNTU)

MISSION UBUNTU

Medizinische Unterstützung und Weiterbildung für Istmina und Umgebung

Medizinische Unterstützung und Weiterbildung für Istmina und Umgebung (Mission UBUNTU)

Auch vor Kolumbien hat die COVID-Pandemie keinen Halt gemacht und das Land kämpft mit stetig steigenden Zahlen von Infektionen (Statistik zu Kolumbien bzw. zum Chocó). In der Region Chocó, wo CASA HOGAR tätig ist, war zum 11. April 2020 nur ein Fall dokumentiert – doch das muss leider nichts heißen: Test müssen über unzulängliche Straßen nach Quibdó, der Hauptstadt des Chocó, gelangen und von dort nach Bogotá geflogen werden. Geeignetes Transportmaterial für die Proben gibt es jedoch nicht, reguläre Flüge sind aktuell gestrichen… Es ist unklar, wie Infektionen aus Istmina und noch abgelegeneren Gegenden des Chocó in die offiziellen Zahlen einfließen sollen.

Gleichzeitig ist das Gesundheitssystem im Chocó erschütternd. In der ganzen Region Chocó mit 500.000 Einwohnern gibt es ein einziges Krankenhaus mit Intensivbetten und zwar in Quibdó – aber das ist bereits ausgelastet. Allerdings hätte die Mehrheit der Bevölkerung angesichts der schlechten Infrastruktur eh wenig Chancen, es aus den abgelegenen Regionen über Wasser und Land in einer Notsituation bis nach Quibdó zu schaffen. Istmina – die zweitgrößte Stadt des Chocó – liegt circa zwei Autostunden über schlechte Straßen von Quibdó entfernt und hat zwar ein Krankenhaus – aber es bietet nur eine Grundversorgung an und hat weder Isoliermöglichkeiten und noch kann es Intensivbehandlung anbieten. Ein Ausbruch des Virus hätte hier fatale Folgen – und nicht nur für die Stadt Istmina mit ihren 20.000 Einwohnern, sondern für alle südlichen Gegenden des Chocó und die abgelegenen Gebiete der Flüsse San Juan und Baudó: insgesamt ca. 130.000 Personen.

Daher bemühen sich alle lokalen Akteure Istminas  – Diözese, Bürgermeister, Handelskammer, Vertretung der lokalen Händler und weitere Engagierte –, die Gesundheitsversorgung in Istmina bestmöglich aufzustocken. Gemeinsam wird an einem Strang gezogen, um das Schlimmste zu verhindern. Als erster Schritt wird ein leerstehendes Gebäude gerade vorbereitet, um (Verdachts)fälle von COVID-19 dort isolieren und behandeln zu können. Doch es fehlt nicht nur an Schutzmaterial für das medizinische Personal, sondern auch grundlegende medizinische Geräte wie Thermometer, Pulsmesser, Blutdruckmessgeräte sind veraltet und Defibrillator oder ein Sauerstoffgerät für den Transport von Patienten fehlen gänzlich. Insbesondere aber auch sieht sich das medizinische Personal selbst nicht auf das Virus vorbereitet. Nur eine Person aus ganz Istmina konnte an einer Informationsveranstaltung in Quibdó teilnehmen und kam angesichts der Ausgangslage in Istmina völlig ernüchtert zurück.

Daher hat CASA HOGAR Deutschland zusammen mit den lokalen Akteuren Istminas unter Führung des Bischofs Mario de Jesús der Diözese Istmina-Tadó sowie mit Herrn Prof. Dr. Laureano Quintero – medizinischer Experte in Katastrophensituation sowie ärztlicher Direktor in der Universitätsklinik del Valle in Cali, wo Theodor Rüber ihn als Student persönlich kennenlernte – eine Zusammenarbeit ins Leben gerufen, die aus der Nähe und aus der Ferne die Menschen im Chocó in dieser Situation unterstützt: Zum einen wird die Bevölkerung von Istmina bei der Ausstattung von jenen Geräten geholfen, für die derzeit trotz staatlicher Mittel keine Ressourcen vorhanden sind. Zum anderen trainiert und entsendet Dr. Quintero ein Team von fünf medizinisch ausgebildeten Personen nach Istmina. Dabei soll das medizinische Personal in Istmina bezüglich des Umgangs mit COVID-19 sowohl durch die entsandten Personen als auch auch virtuell von Intensivmedizinern aus Cali begleitet und intensivmedizinisch weitergebildet werden. Gleichzeitig ist die Maßnahme bewusst auf Nachhaltigkeit angelegt: das medizinische Personal wird nicht nur in Istmina durch dieses Training medizinisch weitergebildet, sondern auch wird eine direkte Verbindung zu renommierten Kliniken in Cali aufgebaut. Dieser Kontakt soll auch noch nach COVID-19 der Kontakt bestehen bleiben, so dass Istmina bei medizinischen Fragen von der medizinischen Expertise in Cali profitieren kann und auch langfristig den 130.000 Einwohnern des Einzugsgebietes eine bessere Gesundheitsversorgung anbieten kann!

Diese humanitäre Mission hat durch Herrn Professor Quintero ihren Namen UBUNTU bekommen. Er schreibt dazu: „Ubuntu ist eine südafrikanische Philosophie, in deren Zentrum Loyalität und der Solidarität steht. Ihr Name leitet sich aus den Sprachen Zulú und Xhosa ab und kann übersetzt werden mit ‚Humanität für andere‘ oder ‚Ich bin, weil wir sind.‘“ In diesem Sinne hoffen wir, zusammen mit den Menschen in Istmina und Umgebung, diese weltweite Krise zu überstehen, und danken für jede Unterstützung, die den Chocoanos gerade in diesen Zeiten Hoffnung schenkt.

 

Ort: Istmina und ländlicher Teil des Chocó

Projektpartner: Diözese Istmina-Tadó (Istmina) und Salamandra Centro Internacional de Entrenamiento en Urgencias y Emergencias (Cali)

Kosten: knapp 50.000 € (ggfs. mit Verlängerung und dann ca. 4.000€/Monat für CASA HOGAR)

Projektabschluss: 1 Monat (aber mit Option auf Verlängerung)
Spenden an CASA HOGAR helfen, dass es nicht bei einmaligen Aktionen bleiben muss und wir alle gemeinsam die Krise überstehen können.

 

Infos zu COVID in Kolumbien (spanisch)
Infos zu COVID im Chocó (spanisch)