Zweiteiliges Maßnahmenpaket gegen Covid-19

Im Einzugsgebiet von Istmina im Chocó leben 130.000 Menschen unter großteils einfachsten Umständen: In Istmina gibt es ein Krankenhaus mit 23 regulären Betten ohne Beatmungsmöglichkeiten. Bisher kann das Krankenhaus nur einfache Notfälle behandeln und hat keine Möglichkeit, Menschen zu operieren, zu isolieren oder gar intensivmedizinisch zu behandeln. Fachärzte gibt es nicht, und es mangelt nicht nur an medizinischer Schutzausrüstung wie Handschuhen oder Mund-Nasen-Schutz, sondern auch an medizinischen Alltagsgegenständen wie Thermometern. Doch die drohende Pandemie ist nicht das einzige aktuelle Problem im Chocó. Seit Ende März gilt in Kolumbien eine landesweite Ausgangssperre. Das Erliegen dieses öffentlichen Alltaglebens treibt vor allem die 40% alleinerziehenden Mütter im Chocó in die extreme Armut und führt bei ihren Kindern schon jetzt zu Nahrungsmangelzuständen. Je länger dieser Zustand andauert, desto verzweifelter wird die Lage.

Gemeinsam mit den Menschen vor Ort antwortet CASA HOGAR auf die Zustände im Chocó mit einem zweiteiligen Maßnahmenpaket:

Projekt Cabeza de Hogar

Die im Chocó lebensbedrohlichen wirtschaftlichen Konsequenzen versuchen wir mit einem Ernährungsprogramm aufzufangen. So haben wir bereits am letzten Märzwochenende begonnen, 260 Nahrungspakete gemeinsam mit den lokalen Behörden und ehrenamtlich aktiven Privatpersonen zu verteilen, und werden das weiter tun.

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Ein Nahrungspaket kostet 25 € und ernährt eine Familie für eine Woche.

Geschätzter finanzieller Bedarf:
2000 €
pro Woche.

Zu Beginn des Projekt an Ostern 2020 ist die genaue Summe aller Kosten noch nicht bekannt, sondern nur einzelne Teilpunkte. Das Gehalt eines Rettungssanitäters beträgt z.B. rund 400 € pro Monat. Ein Beatmungsgerät kostet über 10.000 €. Die Gesamtkosten belaufen sich am Ende wahrscheinlich auf knapp
50.000 €
für den ersten Monat

CASA HOGAR Deutschland wird einen Großteil davon tragen.
(Um die öffentliche Hand nicht aus der Verantwortung zu entlassen und um das Projekt wesentlich zu einer lokalen Initiative zu machen bestehen wir gegenüber der Administration in Istmina auf ihrer finanziellen und personellen Beteiligung.)

Mission UBUNTU

Zusammen mit Herrn Professor Dr. med. Laureano Quintero, dem ärztlichen Direktor des Centro Medico Imbanaco und Professor für Unfallchirurgie an der Universidad del Valle in Cali, Kolumbien, unserem Hauptpartner der Diözese Istmina-Tadó und den Behörden in Istmina haben wir einen Plan zur medizinischen Unterstützung von Istmina erarbeitet und über Ostern beschlossen.

Es sollen zwei Intensivmediziner und drei intensivmedizinisch erfahrene Sanitäter zusammen mit medizinischer Ausrüstung wie Schutzkleidung, aber auch Geräte wie Defibrillatoren und Beatmungsgeräte nach Istmina geschickt werden. Dort treffen Sie auf ein vorbereitetes Team von 15 lokalen Medizinern und Pflegern. Ziel ist es, dass einerseits während der Pandemie die bestmögliche gesundheitliche Versorgung in Istmina verfügbar gemacht wird, und andererseits, dass das medizinische Personal in Istmina geschult aus der akuten Maßnahme hervorgeht und somit langfristig eine Verbesserung der medizinischen Versorgung von Istmina und dem Umfeld gewährleistet ist. Dafür ist auch eine mehrjährige telemedizinische Begleitung zwischen Cali und Istmina geplant. Zu Beginn der Mission wird sich Professor Quintero vor Ort ein Bild von der Lage im Chocó machen.

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Die Mission hat durch Herrn Professor Quintero ihren Namen UBUNTU bekommen.

 

Er schreibt dazu: „Ubuntu ist eine südafrikanische Philosophie, in deren Zentrum Loyalität und Solidarität steht. Ihr Name leitet sich aus den Sprachen Zulú und Xhosa ab und kann übersetzt werden mit ‚Humanität für andere‘ oder ‚Ich bin, weil wir sind.‘“

Die Verwaltungseinheit „Chocó“ in Kolumbien liegt an der Westküste des Landes am Pazifik – weitgehend abgeschottet und schwer erreichbar vom Rest Kolumbiens. Der Chocó ist reich an Regen, wunderschöner Fauna im Regenwald, verschiedenen Traditionen (83% Afro, 13% indigene Ethnien) und Gold. Der Reichtum bringt den ca. 500.000 Einwohnern jedoch keinen Segen. Das Gold geht in die Hände anderer und der Chocó ist traurig bekannt für die dreimal höhere Armut im Vergleich zum Rest Kolumbiens: ganze 83% der Chocoanos haben die Grundbedürfnisse nicht gestillt. Gleichzeitig beschert das Gold der Bevölkerung illegale Minen und damit einhergehend quecksilberverseuchte Flüsse – traditionell die Basis für ihre Nahrung. Schließlich ist der wunderschöne Regenwald auch Brutstätte für das „weiße Gold“ und der Pazifik sein Zugang zur ganzen weiten Welt. Somit sind die vielen Wasserstraßen, die den Chocó durchschlängeln, blutig umkämpfte Drogenrouten von verschiedenen illegalen bewaffneten Gruppen. Der Friedensvertrag von 2016 mit der FARC und die aktuellen politischen Entwicklungen haben daran leider nichts geändert, sondern die Situation im Chocó eher verschlimmert. Während der Staat tatenlos zusieht, wünscht sich die Bevölkerung inmitten dieser Umstände ein friedliches Zusammenleben und berührt uns bei unseren Besuchen immer wieder mit ihrer Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Hoffnung. (vgl. auch unsere Seite Hintergrundinformationen zum Chocó)

Trotz schlechtesten Straßen und katastrophaler Infrastruktur bewegen sich die ca. 500.000 Einwohner Chocós zwischen den verschiedenen Ortschaften. Aus Bogotá ist man nach in ca. 1 Flugstunde in Quibdó, der Hauptstadt des Chocó. Der Kontrast zwischen Bogotá und Quibdó könnte jedoch nicht größer sein. Quibdó hat nur 115.000 Einwohner und vermittelt mit den vielen kleinen Moto-Taxis, den Leuten zu Fuß auf den Straßen und dem ständigen Hupen ein Gefühl von wuseligem Leben mitten auf der Straße. Quibdó ist jedoch für viele Chocoanos nur ein Zwischenstopp. Von Quibdó geht es über Straßen, Fluss oder auch kleinsten Flugzeuge weiter in die abgelegeneren Gebiete des Chocó. Alle, die von Quibdó, in den Süden des Chocó wollen, müssen unweigerlich über Istmina – dem Ort, an dem CASA HOGAR hauptsächlich agiert. Von Quibdó sind es ca. 2 Autostunden über schlechte Straßen bis nach Istmina, der zweitgrößten „Stadt“ des Chocó. Istmina präsentiert sich trotz seiner ca. 20.000 Einwohner wie ein kleines Dorf: jeder scheint jeden zu kennen, überall grüßt jeder jeden, man unterhält sich über ganze Straßen hinweg und man weiß genau, was der Nachbar tut oder nicht tut, …

Istmina liegt am Fluss San Juan und ist somit Startpunkt für all diejenigen, die über Land und Wasser in die abgelegenen Gegenden des Flusses San Juan oder noch weiter des Flusses Baudó wollen (s. auch unsere Karte zum Chocó). Überhaupt ersetzen die Flüsse im Chocó oft die Straßen. Insgesamt gibt es pro Woche ca. 3.000 Reisende, die sich zwischen den verschiedenen Regionen im Umkreis von Istmina bewegen.

Seit Februar dreht sich die Welt um COVID-19 – und auch Kolumbien kämpft mit den Vorboten und den Folgen der Pandemie. Im Vergleich zu Deutschland und Europa ist Kolumbien noch in einem früheren Stadium der Ausbreitung: am 10. April 2020 wurden in Kolumbien knapp 2.500 bestätigte Fälle von COVID-19 und 80 Tote registriert. Die Zahlen sind jedoch insofern mit großer Vorsicht zu genießen, da Tests nicht überall durchgeführt werden können (s. unter 5. Das Gesundheitssystem im Chocó).

Als Mittel gegen einen unkontrollierten Ausbruch hat die Regierung Kolumbiens seit dem 24. März eine landesweite Quarantäne angeordnet, während der die Bevölkerung ihre Wohnungen nur noch für notwendige Einkäufe und Arztbesuche verlassen darf. Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind geschlossen und religiöse Feiern wurden abgesagt. Anfang April wurde die Quarantäne für das ganze Land bereits bis zum 27. April verlängert und für vorbelastete Menschen und Personen der dritten Generation sogar bis Ende Mai. Diese – fast weltweit verbreitete – Maßnahme hat jedoch für die Bevölkerung im Chocó existentielle Auswirkungen und stellen viele Menschen vor die Frage „Hunger oder Infektion“.

Details in unserem Blog-Artikel: Der Coronavirus hat Kolumbien erreicht.

In Kolumbien – und besonders in ländlichen Gebieten wie dem Chocó – ist die Gesellschaftsstruktur von einer machistischer Grundhaltung geprägt, die Frauen strukturell benachteiligt. Frauen im Chocó müssen oft (sexuelle) Gewalt aushalten – sei es im häuslichen Kontext oder in Form der stets präsenten Gewalt zwischen illegalen bewaffneten Gruppen, welche die Bevölkerung als Zielscheibe nutzen und inmitten Unbeteiligter um Drogenrouten und Gebiete kämpfen. Gleichzeitig sind 40% der Frauen alleinerziehend, weil die zugehörigen Väter entführt, rekrutiert, ermordet worden sind oder weil sie sich – wie leider auch nicht selten – aus der Verantwortung gezogen haben. Um den Unterhalt für ihre Familien aufzubringen, arbeiten 70% der Frauen im Chocó auf dem informellen Arbeitsmarkt, das heißt an der Straße verkaufend, kochend, nähend, Schuhe putzend oder auch als Putz- und Dienstpersonal. Die Mehrheit von ihnen lebt dabei von der Hand in den Mund und kann keine Rücklagen ansparen. Genau diese unangemeldete Arbeit jedoch ist in Zeiten von COVID-19 einerseits nicht erlaubt und andererseits sind diese Personen von staatlichen Hilfen ausgeschlossen. Somit stehen aktuell im Chocó viele Frauen vor einer Frage, die niemand beantworten kann. Soll ich mich über die staatlichen Vorgaben hinwegsetzen, mich einer Infektion aussetzen und die Verbreitung des Virus riskieren, um für meine Familie Essen auf den Tisch zu bringen? Oder soll ich „vernünftig“ Zuhause bleiben und meine Familie hungern lassen? COVID-19 bedeutet für die Frauen im Chocó ein neues zusätzliches – lebensbedrohliches – Problem.

In der ganzen Region Chocó mit 500.000 Einwohnern gibt es ein einziges Krankenhaus mit Intensivbetten und zwar in der Hauptstadt Quibdó. Diese 40 Intensivbetten sind jedoch bereits durch die Stadtbevölkerung selbst vollkommen ausgelastet. Allerdings hätte die Mehrheit der Bevölkerung angesichts der schlechten Infrastruktur eh wenig Chancen, es aus den abgelegenen Regionen über Wasser und Land in einer Notsituation bis nach Quibdó zu schaffen.

In Istmina – der zweitgrößten Stadt des Chocó und circa zwei Autostunden über schlechte Straßen von Quibdó entfernt – gibt es ein zweites Krankenhaus: das Hospital Eduardo Santos. Dieses Krankenhaus ist Anlaufstelle für die 20.000 Einwohner von Istmina sowie für alle Einwohner der mehr oder weniger nahen Nachbargemeinden Istminas wie Novita, Condoto, Medio San Juan, Río Iró, Sipi, Medio Baudó, die selbst höchstens über kleinste Medizinstationen verfügen. Insgesamt muss das Krankenhaus mit seinen 23 Betten 130.000 Personen versorgen. Jedoch kann das Krankenhaus bisher nur einfache Notfälle behandeln und hat keine Möglichkeit, Menschen zu operieren, zu isolieren oder gar intensivmedizinisch zu behandeln. Zu letzterem fehlt nicht nur das Material, sondern auch geschultes Personal.

Für eine Behandlung von COVID-19 steht Istmina vor unvorstellbaren Herausforderungen:

  • Die aktuellen Zahlen der Corona-Fälle und -Tests für die 500.000 Einwohner des Chocó finden sie auf der Seite der Departamento-Verwaltung. Es ist jedoch wegen der völlig unzulänglichen Testmöglichkeiten der Region davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten deutlich darüber liegt. Denn Tests müssen aus Istmina über unzulängliche Straßen nach Quibdó gelangen und von dort nach Medellín geflogen werden. Es scheint schwierig, dass Infektionen in Istmina und noch abgelegeneren Gegenden des Chocó aktuell in die offiziellen Zahlen einfließen können.
  • Für Verdachtsfälle wird die auch in Deutschland übliche Methode angewendet, die Personen in Selbstisolation zu schicken und täglich telefonisch von einem Arzt kontaktieren zu lassen. Allerdings ist zu bedenken, dass die Menschen im Chocó und in Istmina oftmals mit vielen Personen in einem Raum leben und eine Isolation vom Rest der Familie nicht möglich ist. Das Virus wird wahrscheinlich mit den anderen Familienmitgliedern in Kontakt kommen, die wiederum mit anderen externen Personen in Kontakt treten. Eine Selbstisolation wird im Chocó nicht viel Erfolg bringen.
  • Darüber hinaus gibt es in Istmina bisher noch nicht ausreichend Schutzmaterial für medizinisches Personal und gesundheitlich vorbelastete Personen. Die Gemeinde bemüht sich jedoch um staatliche Mittel, um zumindest eine Minimalversorgung für das medizinische Personal leisten zu können.
  • Auch im Bereich der medizinischen Geräte ist Istmina schlecht aufgestellt. Es gibt einen einzigen Pulsoxymeter für die Messung des Sauerstoffs, keine Blutdruckmessgeräte (weder digital noch manuell) und keine kontaktlosen Thermometer. Beatmungsmasken, Defibrillatoren, Laryngoskop und Beatmungsgeräte für eine Behandlung von COVID-19 fehlen bisher gänzlich.
  • Gleichzeitig hat das Hospital Eduardo Santos selbst weder den Platz noch die Möglichkeit, Patienten zu isolieren. Aktuell wird daher versucht, ein leerstehendes Gebäude zu einem Behandlungs- und Isolierzentrum für 50 COVID-19-(Verdachts-)fälle auszubauen und auszustatten. Dabei kommt Istmina jedoch an seine finanziellen Grenzen.
  • Außerdem hätte Istmina theoretisch die Kapazitäten, 14 Krankenhausbetten zu Intensivbetten ausbauen, steht jedoch vor dem Dilemma, kein intensivmedizinisch ausgebildetes Personal vor Ort zu haben.

Ein Ausbruch des Virus COVID-19 hätte für das gesamte Einzugsgebiet dieses Krankenhauses in seiner aktueller Verfassung fatale Folgen.

Die aktuelle Situation der Ausgangssperre und die Aussichten eines Ausbruchs von COVID-19 im Chocó sind verheerend. Wir von CASA HOGAR Deutschland e.V. stehen im ständigen Kontakt mit den Menschen vor Ort und zwar nicht nur mit den lokalen Autoritäten, sondern auch mit der Bevölkerung selbst. Laura ist weiterhin im Namen von CASA HOGAR in Istmina und so bekommen wir die vielen persönlichen Geschichten und die existentiellen Nöte aus erster Hand mit. Angesichts der in mehrerer Hinsicht lebensbedrohlichen Situation im Chocó können und wollen nicht einfach abwarten, bis alles vorüber ist! Daher engagiert sich CASA HOGAR– trotz des eigentlichen Fokus auf eine Stärkung von Mädchen und Frauen im Chocó durch Bildung – in dieser außergewöhnlichen Zeit für akute lebensnotwendige Maßnahmen im Chocó. Über Facebook berichten wir möglichst zeitnah über die jüngsten Entwicklungen und Vorkommnisse in Istmina und Umgebung.

Im Bereich der Prävention und Aufklärung stehen wir im engen Kontakt mit den lokalen Akteuren und haben bei ihrer Kampagne mitgewirkt, die Bevölkerung für die Notwendigkeit der Quarantäne zu sensibilisieren.

Im Bereich der Nahrungssicherung sind wir zusammen mit lokalen Autoritäten, Händlern sowie auch Privatpersonen dabei, diejenigen Familien zu unterstützen, die aufgrund der Vorkehrungen und Folgen von Corona nicht mehr ihrer täglichen Arbeit nachgehen können, keinerlei Ersparnisse besitzen und keine staatlichen Hilfen erhalten. Dies betrifft insbesondere auch die 40% alleinerziehenden Mütter. Diesen Familien soll mit Hilfe von Essenspaketen ermöglicht werden, Zeiten der Quarantäne und Isolation wirklich zu Hause zu verbringen und nicht vor die Entscheidung „Hunger oder Infektion“ gestellt zu werden. Primäre Zielgruppe sind alleinerziehende Mütter, die für ihre Kinder und Elterngeneration aufkommen müssen. Die Familien leben in Istmina sowie in abgelegenen ländlichen Gebieten. Auf dem Land ist die Not insofern verschärft, da es aktuell keine öffentliche Verkehrsverbindung mit der Stadt gibt und gleichzeitig Hilfsgüter selten bis dorthin gelangen. Das Projekt wird über unseren Projektpartner Fundación CASA HOGAR Istmina – Teil der Diözese Istmina-Tadó – abgewickelt und in enger Kooperation mit lokalen Engagierten und Autoritäten durchgeführt. So wird sichergestellt, dass die Maßnahmen wirklich jene erreichen, die über keine anderen Wege erreicht werden. (Details auf der Projektseite.)

Im Bereich der medizinischen Versorgung versuchen wir Istmina und der Umgebung bei den Vorbereitungen auf einen Ausbruch von COVID-19 zu unterstützen. Die derzeitige medizinische Versorgung in Istmina ist rudimentär und ein Ausbruch des Virus COVID-19 hätte fatale Folgen – und zwar nicht nur für Stadt Istmina mit ihren 20.000 Einwohnern, sondern auch für die ca. 130.000 Einwohner der mehr oder weniger nah gelegenen Nachbargemeinden an den Flüssen San Juan und Baudó.  Das Krankenhaus kann bisher jedoch nur eine Grundversorgung (z.B. Impfungen) zur Verfügung stellen. Schutzmaterial, Testmöglichkeiten, Isolationsmöglichkeiten oder gar Intensivbehandlung angesichts der Pandemie gibt es nicht. Medizinische Geräte sind nicht funktionstüchtig. Doch es fehlt nicht nur an Material – das medizinische Personal in Istmina weiß und kennt die Grenzen ihres medizinischen Angebots und auch ihrer personellen Kapazitäten und weiß, dass sie derzeit gegen COVID-19 keine Chance hätten. CASA HOGAR setzt sich daher zusammen mit den lokalen Akteuren Istminas – unter Führung des Bischofs Mario de Jesús der Diözese Istmina-Tadó sowie mit Hilfe von Dr. Laureano Quintero – medizinischer Experte in Katastrophensituation sowie ärztlicher Direktor in der Universitätsklinik del Valle in Cali, wo Theodor Rüber ihn als Student persönlich kennenlernte – dafür ein, dass auch die Bevölkerung von Istmina und den umliegenden Gegenden eine Chance gegen COVID-19 bekommen. Dabei geht es einerseits um die Beschaffung von dringend notwendigem medizinischem Material und andererseits auch um die personelle Unterstützung des lokalen medizinischen Personals sowohl durch ein Team, das von Cali nach Istmina fliegen wird und vor Ort begleiten und weiterbilden wird, als auch um die virtuelle Begleitung durch ein medizinisches Expertenteam, das in Cali stationiert ist. Auf diese Weise wird nicht nur materiell unterstützt, sondern auch inhaltlich zusammengearbeitet. Wir hoffen, dass damit nicht nur kurzfristig, sondern langfristig Istmina eine bessere Gesundheitsversorgung – im besten Fall sogar mit Intensivmedizin – zur Verfügung stellen kann! (Details auf der Projektseite.)