Es ist unser Kernprojekt, das erste große Ziel, mit dem wir 2015 unsere Arbeit begonnen haben: ein Wohnhaus, in dem 20 Mädchen sicher und geborgen wohnen und die Schule „Colegio Diocesano San José“ besuchen können. Nachdem dank unserer Unterstützer die Finanzierung schnell gesichert war, nahm der Bau im Jahr 2016 zunächst gute Fahrt auf. Allerdings wurden 2017 Mängel an der Statik festgestellt, derentwegen die Arbeiten zunächst unterbrochen und Untersuchungen angestellt werden mussten. Verschiedene Fachleute kamen zu verschiedenen Ergebnissen. Einig waren sie sich, dass der Bau in der bestehenden Form zu instabil ist, um als Wohnhaus genutzt werden zu können. Uneinigkeit herrschte in der Frage, ob die gefundenen Mängel zu einem lohnenden Preis behoben werden könnten. Diese Unklarheit besteht leider bis heute, sodass die Bauarbeiten nicht wiederaufgenommen worden sind.

Aber CASA HOGAR war deshalb in der Zwischenzeit nicht untätig, im Gegenteil: Da wir uns alle einig sind, wie wertvoll und notwendig ein solches Wohnhaus für die potenziellen Bewohnerinnen wie für Istmina insgesamt ist, haben wir erreichen können, dass uns das Bistum Istmina-Tado ein kleineres Haus zunächst für fünf Mädchen zur Verfügung stellt. Dieses Haus, von den Mädchen selbst „Casa Hogar Niña María“ getauft, ist seit Anfang 2018 in Betrieb. Die Mädchen fühlen sich dort unter der Betreuung von Schwester Belkis und Schwester Elena äußerst wohl und genießen es, im Colegio Diocesano (finanziert durch Stipendien) zu lernen.

Gleichzeitig haben wir uns entschlossen, mit dem Bau des großen Wohnhauses fortzufahren, allerdings zunächst nicht mit dem bereits begonnenen Teil, dessen statische Probleme nach wie vor ungelöst sind, sondern mit einem neuen Trakt. Erste Zeichnungen, Baupläne und Kostenvoranschläge liegen uns vor und befinden sich derzeit in der Prüfung. Wir sind zuversichtlich, 2019 mit dem Bau eines soliden und großen Wohnhauses beginnen zu können. Gleichzeitig prüfen wir weiterhin, ob und wie das bereits begonnene Gebäude noch nutzbar gemacht werden kann. Im ungünstigsten Fall werden wir um einen Abriss nicht herumkommen. Im besten Fall findet sich eine kostengünstige Verstärkung der Struktur, sodass wir den Bau wie ursprünglich geplant werden nutzen können. Die Idee des Wohnhauses sah ja ohnehin die Möglichkeit einer späteren Aufstockung vor, denn der Bedarf vor Ort ist riesig.

Und: Aktuell wird sogar schon wieder gebaut, allerdings noch nicht am Wohnhaus selbst, sondern zunächst an einer Umfriedung des gesamten Geländes. Wenn Sie die Aktivitäten von CASA HOGAR schon länger verfolgen, haben Sie mitbekommen, dass der Bau des Wohnhauses auch durch die Machenschaften der sogenannten „invasores“ schwer behindert wurde. Die „invasores“ sind eine kriminelle Gruppe im Chocó, deren Geschäftsmodell darin besteht, sich widerrechtlich und mitunter gewaltsam Immobilien oder Grundstücke anzueignen. Sie dringen auf Baustellen ein, behaupten mit gefälschten Papieren, das zu bebauende Grundstück gehöre eigentlich ihnen, und unterstreichen ihre Ansprüche mit Waffengewalt.

In Deutschland würde man zur Polizei und zum Grundbuchamt gehen, und die Sache wäre schnell geklärt. Das ist in Istmina gleichwohl nicht so einfach möglich, und darauf spekulieren die invasores: Ein Grundbuchamt mit derselben unbestechlichen Gründlichkeit des hiesigen Systems gibt es dort nicht. Gerichtsverfahren sind langwierig und teuer und ein guter Ausgang ist auch bei vermeintlich eindeutiger Lage aufgrund von Korruption keineswegs sicher. Deshalb scheuen viele Opfer der invasores den aufreibenden und wenig hoffnungsvollen juristischen Weg und überlassen den invasores lieber das Feld.

Mit einer Umfriedung um das Gelände wird das Risiko, zum Opfer von Angriffen der invasores zu werden, deutlich minimiert. Es werden klare – juristische wie physische – Verhältnisse geschaffen. Da auch das kleine „Casa Hogar Niña María“ sich direkt neben dem Gelände befindet, auf dem das neue Wohnhaus entstehen soll, können „unsere“ fünf Mädchen auch schon den geschützten Bereich zum unbesorgten Spielen und Toben nutzen.