Wir stellen vor: Sally Asprilla, Leiterin der Studentinnenwohnheime von CASA HOGAR

Über 30 Jahre war Sally Asprilla im Bildungswesen des Chocó tätig. Heute leitet sie die Studentinnenwohnheime von CASA HOGAR. Zu ihrem 58. Geburtstag stellen wir die engagierte Sozialarbeiterin vor.

Sally Asprilla kennt die harten und schwierigen Bedingungen, unter denen die Mehrheit der Bevölkerung im Chocó lebt, von Kindesbeinen an. Die Sozialarbeiterin und Erzieherin ist selbst Chocoanerin und wollte etwas für ihre Mitmenschen tun. Zunächst schenkte sie an Sonntagen in benachteiligten Stadtteilen heiße Schokolade aus. An Weihnachten verteilte sie mit ihren Schwestern Weihnachtsgeschenke. Aber Sally Asprilla war klar: Einen Ausweg aus der Armut kann es nur mit Hilfe von Bildung geben.

Eine Perspektive für junge Frauen, auch nach Schulabschluss

Als Lehrerin und Sozialarbeiterin hat sie in vielen Gemeinden des Chocós aus nächster Nähe gesehen, wie desolat die Lage gerade für Mädchen und junge Frauen ist. Die meisten erhalten nur eine sehr bescheidene Schulbildung. Oft sehen sie keine andere Möglichkeit, als ihren Körper zu verkaufen. Sally Asprilla wollte den Mädchen eine Perspektive geben. Gemeinsam mit ihren Schwestern gründete sie die Stiftung La Paz, die jungen Frauen aus entlegenen Gemeinden des Chocó ein Studium in Quibdó, der Hauptstadt der Provinz, ermöglicht. Bis es soweit war, haben Sally Asprilla und ihre Schwestern im öffentlichen sowie im privaten Bereich unermüdlich um Unterstützung für ihr Projekt geworben. Das war nicht leicht, denn es werden vor allem Schulprojekte gefördert – dabei hört der Bildungsweg mit dem Abitur ja noch nicht auf. Schließlich schafften sie es, eine Kooperation mit der Universidad Tecnológica del Chocó zu vereinbaren. Das Wohnheim für die Studentinnen, Casa Hogar La Paz, wurde mit Spenden von CASA HOGAR Deutschland finanziert. Sally Asprilla erinnert sich an die vielen Mühen, die es kostete, um das Wohnheim Casa Hogar La Paz einzurichten. Betten, Ventilatoren und Küchenelemente mussten beschafft werden, um die ersten 14 Studentinnen zu empfangen. Im Oktober 2020 konnte das Wohnheim schließlich eröffnet werden.

Sozialer Einsatz neben dem Studium, für einen Multiplikatoreffekt

Die Stipendiatinnen von Casa Hogar La Paz finden in dem Wohnheim ein sicheres Zuhause und werden dort auch psychosozial betreut. Neben ihrem fünf Jahre währenden Studium erhalten sie eine wirtschaftliche Ausbildung, die die Absolventinnen zur Unternehmensgründung befähigen soll. Für Sally Asprilla ist dies eine exzellente Möglichkeit, den Studentinnen eine Lebensperspektive zu bieten, die sie vor Verwundbarkeit, Armut und Gewalt schützt. Essenzieller Bestandteil des Projekts ist auch, dass die Studentinnen selbständig ein soziales Vorhaben entwickeln, um ihre Fähigkeiten zurück in ihre Heimatgemeinden zu tragen. Unter anderem werden Themen wie Stärkung des Selbstwertgefühls, Umgang mit sozialen Netzwerken, und Sexualerziehung bearbeitet. Außerdem werden Kinder zwischen 12 und 16 Jahren darauf vorbereitet, eine universitäre Weiterbildung anzustreben, um Armut und Gewalt zu entkommen.

Das Angebot soll weiter wachsen

Auch Casa Hogar La Paz hat die Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Mehrere Ansteckungsfälle im Studentinnenwohnheim in Quibdó haben Sally Asprilla zur Isolation gezwungen. Diese Zeit hat sie als sehr beklemmend empfunden. Aber die Wohnheimleiterin hat Erfahrung damit, schwierige Zeiten zu überwinden. Aus gesundheitlichen Gründen war sie gezwungen, in Frührente zu gehen und ihre Aktivitäten für zehn Jahre ruhen zu lassen. Nun setzt sie ihre Arbeit mit neuer Lebenskraft fort. Die Stiftung La Paz erweitert jetzt ihr Programm und nimmt weitere 14 Studentinnen auf. So erhalten ab diesem Oktober 28 junge Frauen aus abgelegenen Gemeinden durch ihr Studium eine neue Chance auf eine bessere Zukunft und ein selbstbestimmtes Leben. Außerdem ist der Umzug der ersten Studentinnengruppe in ein größeres Haus geplant. Sally Asprilla würde gerne noch mehr Mädchen und jungen Frauen im Chocó helfen. Sie lächelt zuversichtlich. Ihre Energie schöpfe sie daraus in Casa Hogar La Paz zu erleben, wie sich die Stipendiatinnen zu Persönlichkeiten entwickeln, die langfristig und nachhaltig die Entwicklung des Chocó voranbringen werden.