Covid-19: Mission UBUNTU im Chocó gelandet

Die Notfallmediziner der Mission UBUNTU bringen medizinische Expertise, fachliches Training und menschliche Zuversicht in die infrastrukturell abgehängte Region Kolumbiens – die Dschungelregion Chocó.

Am 22. April 2020 war es endlich soweit: Ein kleines Flugzeug durfte trotz Ausgangssperre mit Sondererlaubnis abheben und landete auf dem Flughafen Condoto im Chocó, einer Region, die derzeit weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten ist. Im Flugzeug: ein siebenköpfiges medizinisches Krisen-Team aus Cali. Unter der Leitung des renommierten Katastrophenmediziners Laureano Quintero, Direktor des Salamandra Centro Internacional de Urgencias y Emergencias in Cali, werden vier Rettungssanitäter und eine Allgemeinärztin die infrastrukturell abgehängte Region Chocó durch die Corona-Krise begleiten.

Die Mission UBUNTU entstand aus der Zusammenarbeit zwischen CASA HOGAR, der Diözese Istmina-Tadó und Dr. Quintero – Ehrenamtler von CASA HOGAR. Das Ziel der Mission: die lokale Bevölkerung im Chocó für einen Covid-19-Ausbruch zu wappnen. „Im Chocó gibt es kaum Mediziner, die Kenntnisse im Umgang mit Katastrophensituationen mitbringen“, beschreibt Laura Morales die alarmierende Ausgangslage im Chocó. Morales koordiniert als CASA HOGAR-Mitarbeiterin die Mission vor Ort und ist sich sicher: Ohne Unterstützung hätte die Region keine Chance gegen Covid-19.

Der wichtigste Aspekt der Mission ist der nachhaltige Wissenstransfer: Die medizinischen Experten aus Cali wollen die örtlichen Ärzte und Krankenpfleger für die Behandlung von Covid-19-Patienten schulen. Zum Training gehören dabei einerseits Schulungen zu Hygiene, korrekter Anwendung von Schutzmaterial und Herz-Lungen-Wiederbelebung. Daneben sollen aber auch nationale Vorgaben für Klinikprozesse an die Gegebenheiten im Chocó angepasst und umgesetzt werden – für die abgelegene Region im Dschungel kein leichtes Unterfangen. Mit der Hilfe aus der Großstadt Cali soll das nun gelingen. „Diese Maßnahme ist nicht nur für die aktuelle Notsituation wichtig, sondern auch langfristig ein Gewinn“, erklärt Morales.

Auch infrastrukturell war der Chocó denkbar schlecht aufgestellt, um gegen die Pandemie anzukommen. Dem lokalen Krankenhaus in Istmina fehlte es an Schutzmaterial, Testmöglichkeiten, Intensivbetten und Isolationsmöglichkeiten. CASA HOGAR spendete medizinische Geräte, um diesen Engpass entgegenzutreten. Für den Zeitraum der Pandemie wurde außerdem eine leerstehende Klinik von der Gemeindeverwaltung re-aktiviert, in der in Zukunft nur Covid-19-Patienten behandelt werden sollen. „Bei einem ersten Treffen in der Klinik haben wir gemeinsam mit den Experten aus Cali die vorhandene Infrastruktur inspiziert und angesichts der Gegebenheiten ihre bestmögliche Nutzung diskutiert“, erzählt Morales. Auch ein Aktionsplan für die Zusammenarbeit zwischen den Teams wurde geschmiedet.

Das Expertenteam aus Cali wird die nächsten Wochen im Chocó verbringen und dem lokalen Team bei allen Fragen zur Seite stehen. Personen zu finden, die im Chocó arbeiten wollen, sei nicht einfach, sagt Laura Morales. Das Gebiet gilt als Risikoregion; erkrankt man an dem Virus, sind die Gesundheitsaussichten schlechter als in den Städten. Dazu kommen die sozialen Probleme, Ermordungen, Gebietskämpfe, die auch trotz Covid-19 nicht abbrechen. „Wir sind daher umso dankbarer für den Einsatz der Experten aus Cali.“ So sieht das auch die lokale Bevölkerung: Auf der Straße werden die Mediziner aus der Stadt freundlich begrüßt, manche Chocoaner machen den Experten sogar Geschenke. „Seitdem die Mission UBUNTU hier ist, fühlen sich die Leute viel sicherer“, freut sich Laura Morales.

Doch noch ist viel zu tun: Das Gesundheitssystem im Chocó ist im Vergleich zum Rest des Landes infrastrukturell vernachlässigt und das Krankenhaus in Istmina soll und will nun in Rekordzeit aufholen. Das medizinische Personal muss auf den Umgang mit dem Virus inhaltlich vorbereitet werden. Die lokale Bevölkerung soll in Sachen Hygienemaßnahmen aufgeklärt werden. Und nicht zuletzt müssen die Menschen im Chocó mit Lebensmitteln versorgt werden. Denn wegen der Corona-Pandemie können viele von ihnen nicht mehr ihrer Erwerbsarbeit nachgehen; Erspartes haben die Wenigsten, weil sie ohnehin immer von der Hand im Mund leben. CASA HOGAR unterstützt deswegen parallel zur medizinischen Mission UBUNTU insbesondere auch Frauen und ihre Familien mit Nahrungspaketen (Projekt: Cabeza de Hogar). Denn fest steht: „Ich bin, weil wir sind.“

 

Mehr Infos zum Covid-19-Maßnahmenpaket von CASA HOGAR

Infos zu COVID in Kolumbien (spanisch)
Infos zu COVID im Chocó (spanisch)