„Blue Miracle“ auf Netflix erzählt die Geschichte des Waisenhauses Casa Hogar, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Welche Verbindung hat diese Geschichte mit CASA HOGAR Deutschland?

Kolumbien ist ein Land, das historisch von Gewalt und struktureller Ungleichheit gekennzeichnet ist, woraus viele Schwierigkeiten im sozialen sowie politischen Bereich resultieren. Die aktuelle Situation ist komplex. Hier schildert Carolina Medina, CASA HOGAR-Mitglied in Kolumbien, ihre Perspektive.

Am 1. Juni ist Kindertag! Kinder haben ganz besondere Bedürfnisse, die in den Kinderrechten festgehalten sind. Welche Kinderrechte gibt es?

CASA HOGAR trauert um Pfarrer Max Offermann, der am Ostersonntag, 4. April 2021, nach schwerer Krankheit gestorben ist.

In seiner Euskirchner Pfarrgemeinde Sankt Martin stellte sich Max Offermann als Pfarrer und Seelsorger mit vollem Engagement in den Dienst seiner Gemeindeglieder. Und auch die Menschen in weiter Ferne hatte er im Blick: Als CASA HOGAR noch in den Kinderschuhen steckte, machte Pfarrer Offermann CASA HOGAR-Gründer Theodor Rüber Mut und gab uns seit 2015 die Möglichkeit, unser Anliegen in den Messen seiner Gemeinde zum 1. Advent vorzustellen.

Zu seiner Beerdigung wurde, statt Blumen, um Spenden an CASA HOGAR gebeten, was uns sehr berührt. Wir begreifen die Sammlung zu Gunsten der Mädchen und Frauen im Chocó als Aufgabe und hoffen, einen Teil der Vorstellungen und Visionen von Pfarrer Max Offermann mit CASA HOGAR realisieren zu können.

 

(Foto: Pfarrei St. Martin, Euskirchen)

Laura Álvarez arbeitet als Assistenzärztin am Uniklinikum Bonn. Aufgewachsen ist sie im Chocó. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

Wer ist Laura Álvarez Velásquez?

Ich bin Laura, Assistenzärztin der Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKB Bonn. Geboren bin ich in Quibdó, der Hauptstadt der Region Chocó in Kolumbien, wo ich bis zu meinem zwölften Lebensjahr lebte.

Meine Kindheit im Chocó war eine sehr glückliche. Ich habe viele schöne Erinnerungen daran, wie ich mit meinen Freundinnen im Regen spielte oder mit meinen Geschwistern Fahrradfahren lernte. Durch den vielen Regen gab es auch regelmäßig Überschwemmungen in unserem Stadtteil, doch obwohl den Leuten das Wasser bis zu den Knien stand, wurde weiter gelacht und optimistisch mit den schweren Umständen umgegangen. Am meisten gefiel mir der gesellschaftliche Zusammenhalt innerhalb der Nachbarschaft in schwierigen Situationen. Meine Eltern und meine Nachbarn halfen immer so gut es ging denjenigen, die am schwersten betroffenen waren. Sie brachten mir bei, dass wir zusammen stärker sind und auch so am besten im Leben weiterkommen.

Von klein auf waren mir die Problematiken Chocós in all ihren Facetten bewusst. Es ist eine abgeschiedene Region, verwickelt in Armut und Korruption. Die verantwortlichen Politiker bevorzugen es, sich Gelder in die eigene Tasche zu stecken, anstatt damit der Allgemeinheit und vor allem den benachteiligten Kindern zu helfen. Kinder, die an Unterernährung leiden und keinen Zugang zu existenziellen Bedürfnissen, wie bspw. der Gesundheitsversorgung oder Bildung haben.

Als ich zwölf Jahre alt war, zog meine Familie nach Barranquilla, eine Stadt an der Karibikküste im Norden Kolumbiens. Das war ein starker Kontrast zu unseren bisherigen Lebensverhältnissen. Zuvor hatten wir in einer kleineren Ortschaft im Regenwald gelebt und nun in einer großen Hafenstadt an der trockenen Küste. Wir hielten weiter engen Kontakt zu allen Familienmitgliedern im Chocó und besuchten sie immer zu Weihnachten. Es war mir immer ein Anliegen, eines Tages zurückzukehren, um dort auf irgendeine Weise zu helfen. Als gebürtige Chocoana fühle ich mich verpflichtet, einen kleinen Beitrag für die positive Entwicklung dieser Region beizusteuern.

Wie bist du nach Deutschland gekommen?

Während meines Medizinstudiums in Barranquilla machten einige Kommilitonen Austauschprogramme nach Deutschland und waren in jeglicher Hinsicht begeistert. Mein Bruder absolvierte sein praktisches Jahr am Uniklinikum Mainz und empfahl mir, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Ein Jahr nach meinem Bruder war es mir möglich, 2015 nach Deutschland zu reisen, die Sprache zu lernen und mein praktisches Jahr zu absolvieren. Viele Freunde, Familie und vor allem meine Eltern halfen mir auf dem Weg hierher. Heute bin ich unendlich dankbar dafür, dass dieser Traum in Erfüllung gegangen ist.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Chocó und Deutschland?

Die Ankunft in Deutschland war für mich ein extremer Wandel, alles ist hier anders. Das tägliche Leben, die Kultur, die sozialen und organisierten Strukturen, die Infrastruktur etc. Einige dieser Unterschiede stechen besonders hervor. Hierzu gehört zum Beispiel die Pünktlichkeit, welche für die Deutschen ja eine wichtige Rolle spielt. Sie zeugt in meinen Augen deutlich von Verantwortungsbewusstsein sowie Respekt für die jeweiligen Mitmenschen. Diesen Wert habe ich hier sehr verinnerlicht.

Auch das Essen in Deutschland unterscheidet sich deutlich von dem in Kolumbien. Vor allem die verwendeten Gewürze verleihen dem Essen einen ganz anderen Geschmack. Obwohl es hier unzählige Sorten an Würsten gibt, wird für mich der Geschmack der chocoanischen Bratwurst immer unerreicht bleiben. Sie bleibt für mich die beste Wurst der Welt.

Etwas, das ich sehr bewundere, ist das deutsche Gesundheitssystem. Es ermöglicht allen einen Zugang zu qualitativer Versorgung, unabhängig vom sozialen Status oder Herkunft. Für mich als Ärztin ist es ein Privileg, all diese Erfahrungen hier sammeln zu können. Hoffentlich können mir diese Eindrücke dabei helfen, diese zukünftig in Kolumbien umzusetzen, um etwas an der Situation dort zu ändern. In den ländlichen Regionen Kolumbiens haben viele Menschen noch nicht einmal Zugang zu einer kleinen Arztpraxis mit minimaler Ausstattung.

Wie hast du CASA HOGAR kennengelernt?

Durch meine Arbeit am Uniklinikum Bonn habe ich Theodor kennengelernt, den Gründer von CASA HOGAR, mit seiner bemerkenswerten Zielsetzung für den Chocó. Sofort wurde ich auf das Programm aufmerksam und wollte mich umgehend in dieser allgemeinnützigen Organisation engagieren. Ich weiß aus erster Hand um den Zustand der Frauen und Mädchen im Chocó, welche unter extremer Armut leben, begleitet von Unterdrückung durch eine machistisch geprägte Gesellschaft. Dort kann unsere Unterstützung einen echten Unterschied bewirken und den Betroffenen zu einem besseren Leben verhelfen.

Mich faszinierte der Einsatz und die Hingabe aller freiwilligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von CASA HOGAR, welche uns – größtenteils ohne die Menschen in Chocó zu kennen – eine wahre Lektion in Sachen Aufopferung, Herzblut und Solidarität erteilen.

Was motivierte dich, Teil von CASA HOGAR zu werden?

Mir ist bewusst, dass die fundamentalen Bedürfnisse der Mädchen im Chocó, afrokolumbianischer oder indigener Herkunft, derzeit nicht erfüllt werden können. Es gibt kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung oder auch nur sauberem Trinkwasser. Die Mädchen dort kommen ohne diese Privilegien bzw. Grundrechte auf die Welt. Sehr wenige Frauen im Chocó haben einen Schulabschluss und noch weniger besuchen eine Hochschule. Hinzu kommt die machistische Gesellschaftsstruktur in Kolumbien, die vor allem in den abgeschiedenen Regionen die Frauen systematisch unterdrückt und auch von Führungspositionen in der Gesellschaft abhält. In diesem Kontext ist es sehr schwierig für die Mädchen, von einer gewissen Selbstverwirklichung träumen zu können, da das traditionelle Familienbild weiterhin Frauen sehr einschränkt. Diese Hürden sind traurige Realität und es wird noch Generationen dauern, bis sie überwunden sind. Nur wenn wir gemeinsam anpacken, können wir Fortschritte erzielen.

Was ist deine Botschaft an andere Menschen, die CASA HOGAR unterstützen wollen?

Wir verdienen alle eine Chance, unsere Träume verwirklichen zu können, doch manche Menschen benötigen dafür etwas mehr Unterstützung als andere. Als chocoanische Ärztin in Deutschland wurde mir die Möglichkeit gegeben, meinen Traum zu verwirklichen und heute hier mit euch zu sprechen. Ich genieße gewisse Privilegien und hatte deshalb bessere Chancen als anderen aus meiner Heimat, doch wir sollten weltweit alle eine Chancengleichheit haben. Deshalb werde ich alle mir zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Mädchen und Frauen im Chocó zu unterstützen. Ich lade jeden herzlich dazu ein, das gleiche zu tun, da wir nur zusammen einen Wandel hervorbringen können. Jetzt oder nie!

Seit Januar 2021 unterstützt Georgia Dreßler (25) das TEAM von CASA HOGAR als Praktikantin. Hier stellen wir sie vor.

Liebe Georgia, herzlich willkommen bei CASA HOGAR. Wir freuen uns sehr, dass du das Team als Praktikantin unterstützt. Was kannst du über dich erzählen?

Ursprünglich komme ich aus Halle, wo ich auch für einen Master in Hispanistik eingeschrieben bin. Davor habe ich einen Bachelor in Translation an der Universität Leipzig abgeschlossen, also Übersetzung und Dolmetschen in Englisch und Spanisch. Seit Anfang Januar bin ich nun Praktikantin bei CASA HOGAR.

Wie bist du auf CASA HOGAR aufmerksam geworden?

Ein Freund in Leipzig hat mir von CASA HOGAR erzählt. Ich dachte mir: Wow, das klingt nach einem tollen Projekt! Zum einen hat mich das Thema Bildung angesprochen. Bildung ist eines der wichtigsten Werkzeuge, die wir haben, um unseren Lebensweg selbst zu gestalten. Ganz besonders gilt das natürlich für so konfliktreiche Regionen wie den Chocó. Zum anderen motivierte mich, dass CASA HOGAR sich für die Förderung von Frauen einsetzt. Diese beiden Aspekte zu verbinden, fand ich besonders klasse.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich bei CASA HOGAR als Praktikantin zu bewerben?

Seit vielen Jahren versuche ich privat so gut es geht auf Nachhaltigkeit und Solidarität zu achten und mir ist zunehmend klar geworden, dass ich mich auch beruflich in eine Richtung bewegen will, die zum Gemeinwohl beiträgt. Im Rahmen eines Praktikums bei CASA HOGAR kann ich wertvolle Erfahrungen und Inspiration für meine Zukunft sammeln. Dass CASA HOGAR gerade zufällig auf der Suche nach einer Praktikantin war, hat natürlich wunderbar gepasst.

Hattest du vor deinem Praktikum bereits Berührungspunkte mit Lateinamerika oder dem Chocó?

In Lateinamerika war ich bereits einige Male: Nach der Schule habe ich einen Freiwilligendienst in Argentinien absolviert. Während meines Bachelor-Studiums war ich in Chile. Von dort bin ich auch nach Kolumbien geflogen und habe das Land drei Wochen lang bereist. Seither weiß ich: Ich will Kolumbien noch besser kennenlernen! Dank des Praktikums bei CASA HOGAR klappt das nun – wenn auch von Deutschland aus.

Welche Fähigkeiten und Talente kannst du bei CASA HOGAR einbringen?

Neben meinen Spanischkenntnissen sind sicher auch meine Erfahrungen aus dem Medienbereich relevant. Parallel zu meinem Studium bin ich seit einigen Jahren beim Uniradio aktiv, moderiere Sendungen und schneide Beiträge. Außerdem habe ich auch immer wieder als freie Autorin Geld verdient. Ich fände es super, wenn ich im Rahmen meines Praktikums auch die Öffentlichkeitsarbeit von CASA HOGAR unterstützen kann.

Du bist nun seit einigen Wochen mit an Bord. Womit hast du dich bisher hauptsächlich beschäftigt?

Vor allem mit Verwaltungs-Tätigkeiten. Ich habe mich zum Beispiel um die Spenden gekümmert, die über Weihnachten hereingekommen sind. CASA HOGAR konnte außerdem gerade ein Förderprojekt mit öffentlichen Geldern ans Land ziehen. Das ist für uns alle eine neue Herausforderung, in die wir uns gemeinsam einarbeiten. Für mich ist es toll, direkt eingebunden zu werden.

Was möchtest du bei CASA HOGAR bewegen?

Ich habe große Lust, die Projekte von CASA HOGAR inhaltlich zu begleiten. So kann ich mitbekommen, was wir vor Ort bewirken können! Daneben fände ich es super, wenn ich die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen kann, um die Organisation präsenter zu machen.

Liebe Georgia, danke für das Gespräch – und viel Erfolg in deinem Praktikum!

Wo in Istmina werden Drogen verkauft? Welche Straßen sollten junge Mädchen meiden, weil Paramiliärs oder Kriminelle unterwegs sind? Und was können die Mädchen tun, wenn sie physisch bedroht oder sexuell ausgebeutet werden? Es sind heftige, furchtbare und bisweilen niederschmetternde Fragen, die die 100 Mädchen zwischen sechs und 17 Jahren beschäftigten, die an unserem Projekt „Apoyo psicosocial“ teilnahmen. Doch genau jene Fragen entsprechen der Lebensrealität der Mädchen.

Im Rahmen unseres Projekts „Apoyo psicosocial“ tauschten sich hundert Mädchen aus Istmina ein Jahr lang über alltägliche Bedrohungen wie Kriminalität, Drogenkonsum und sexuellen Missbrauch aus – unter Anleitung von Pädagogen.

Das Projekt wurde von der Diözese Istmina-Tadó durchgeführt und von CASA HOGAR und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ unterstützt. Gemeinsam konnten für das Projekt 42.000 Euro aufgebracht werden. Die Workshops mit den Kindern und Jugendlichen liefen über ein Jahr und fanden meist zwei Mal in der Woche statt. Im Juli 2020 wurde das Projekt abgeschlossen. „Der Andrang war so groß, dass nicht alle interessierten Mädchen teilnehmen konnten“, erzählt Laura Morales von CASA HOGAR. „Gerne wollen wir das Projekt daher fortsetzen.“

Die teilnehmenden Mädchen wohnen allesamt in ökonomisch benachteiligten Vierteln Istminas, die von Kriminalität überschattet werden. Viele von ihnen wurden aus ihren Dörfern vertrieben und sind in Istmina gelandet. Sie trafen sich regelmäßig in Kleingruppen, um gemeinsam mit Pädagogen und Sozialarbeitern über die Risiken ihres Alltags zu sprechen. Im Rahmen des Projekts erarbeiteten sie auf spielerische Art Lösungen für die Bedrohungen und stärkten ihr Selbstbewusstsein durch das Sprechen über Werte wie Familie, Freundschaft oder Solidarität.

Laura Morales hatte die Möglichkeit, an einem der Workshops in Istmina teilzunehmen. „Das Projekt war für mich unglaublich beeindruckend“, erzählt sie. Insbesondere die Schicksale der Mädchen haben sie sehr mitgenommen: Ein 13-jährigen Mädchen berichtete, dass sie von einem 30-jährigen Mann „mit Geld versorgt“ werde. Eine 12-Jährige erzählt, dass sie bis spät in die Nacht auf Partys mitgenommen wird, weil sie für eine solche „Bailadita“ 500.000 Pesos (ca. 130 Euro) bekommen könne.

In dem Projekt lernen die Mädchen, dass es nicht in Ordnung ist, von Männern angefasst zu werden – und dass sie nicht alles erlauben müssen. In aktiven Übungen demonstrieren die Pädagogen den Mädchen, welche Berührungen für ihr Alter okay sind und welche nicht. Sie erarbeiten, welche anderen Methoden es gibt, um Geld zu verdienen und welche Werte für ein glückliches Leben wichtig sind. Außerdem bekommen sie Aufgaben für Zuhause, damit sie auch außerhalb der Treffen beschäftigt und weniger anfällig für nicht-kindgerechte Angebote sind. Damit das Projekt noch nachhaltiger ist, werden auch die Eltern der Mädchen in das Projekt eingebunden.

„Die Mädchen fühlen sich von dem Projekt gestärkt und haben sich sehr positiv entwickelt“, erzählt Laura Morales. Die Übungen, der Austausch und der Zusammenhalt stärkten ihr Selbstbewusstsein und schenkten ihnen andere Perspektiven für ihren Alltag und ihre Zukunft. „Die Mädchen wünschen sich eine Fortsetzung. So könnten nicht nur sie, sondern auch andere Kinder von der psychologischen Betreuung profitieren.“

 

Am 23. Mai 2020 ging die Mission UBUNTU in die zweite Phase.

Diesmal wurden zusätzlich zu Istmina 13 Gemeinden der Diözese Istmina-Tadó – gelegen am Fluss San Juan sowie an der Pazifikküste vom Chocó – von unserem Team im Kampf gegen das Coronavirus unterstützt. Ziel der Mission war es, das Gesundheitspersonal auch in kleinen Medizinstationen so auszubilden, dass es für den starken Ausbruch der Pandemie gewappnet ist, sowie sie zusätzlich mit medizinischen Geräten zu versorgen.

Das Team UBUNTU

Bereits in der ersten Phase der Mission UBUNTU haben wir die Spenden unserer UnterstützerInnen gezielt für eine bessere Patientenversorgung eingesetzt und konnten so das Eduardo-Santos-Krankenhaus in Istmina mit der notwendigen medizinischen Ausrüstung ausstatten. In Phase 2 haben nun vor allem auch weiter abgelegene Gemeinden Medikamente, Verbrauchsmaterialien und weitere medizinische Ausrüstung erhalten, die für die Patientenversorgung dringend benötigt wurden und unnötige Reisen über Land und Wasser in die Stadt verhindern können.

Das Ergebnis? Ein voller Erfolg! Gemeinsam haben wir es geschafft, 180 Angestellte im Gesundheitswesen aus 13 Gemeinden des Chocó in grundlegenden Techniken wie fortgeschrittener Herz-Lungen-Wiederbelebung zu schulen. Außerdem wurden 55 Gemeindevorsteher in Präventivmaßnahmen zu COVID-19 und allgemeinen Erste-Hilfe-Maßnahmen mit dem Fokus der Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) ausgebildet. Medikamente und Krankenhausbedarf wurde zusätzlich an 11 Medizinstationen und 4 Krankenhäuser in der Region San Juan und an die Pazifikküste des Departements Chocó geliefert. Für die Implementierung der zweiten Phase unserer Mission haben wir in Deutschland Adveniat als starken Partner gewinnen können und in Kolumbien wie in der ersten Phase eng mit der Diözese Istmina-Tadó und Salamandra, dem internationalen Ausbilungszentrum für Not- und Katastrophenhilfe zusammengearbeitet.

Mit dem Boot nach Sipí

Jede Phase war geprägt von Herausforderungen, aber auch jeder Menge unvergesslicher Geschichten. Eine besonders spannende ist die unserer Fahrt nach Sipí, eine kleine Gemeinde am San-Juan-Fluss. Das Boot hatte plötzlich einen Schaden und unser Team saß mehrere Stunden lang fest. Mittlerweile hatte es allerdings so stark geregnet, dass der Fluss die komplette Straße überflutete und der Hilfstrupp nicht bis zu unserem Team vordringen konnte. Spontan sprangen daher alle ins Wasser und schwammen auf die andere Seite des Flusses, wo sie schließlich von einem anderen Auto abgeholt wurden. Das ist nur eine von vielen Geschichten, die vor allem auch den großen persönlichen Einsatz vor Ort widerspiegelt.

Mit der UBUNTU-Mission konnten wir bisher das Gesundheitssystem im Chocó mit wichtigen Sachspenden und Trainings unterstützen – und das über die durch COVID-19 verursachte Notlage hinaus. Das ist besonders wichtig in den Orten, die nur sehr schwer zu erreichen sind und deswegen eine verhältnismäßig schlechte medizinische Infrastruktur haben.

Zum Ende der zweiten Phase möchten wir die Gelegenheit nutzen, allen beteiligten Personen, vor allem aber unserem Sanitäter-Team und Doktor Quintero, für ihre unschätzbare und unermüdliche Arbeit zu danken. Gleichzeitig freuen wir uns sehr, dass eine dritte Phase, die sich insbesondere der Bevölkerung zuwendet und sie auf eine neue Form des Zusammenlebens mit dem Virus vorbereitet, in den nächsten Wochen starten wird.

Wir von CASA HOGAR hoffen, damit weiterhin einen Beitrag leisten zu können und auf diese Weise die Region Chocó zu unterstützen.

 

Wenn auch Sie die Fortsetzung der UBUNTU-Mission im Chocó unterstützen möchten, freuen wir uns über jede Spende, egal wie klein sie sein mag!

 

Die Notfallmediziner der Mission UBUNTU bringen medizinische Expertise, fachliches Training und menschliche Zuversicht in die infrastrukturell abgehängte Region Kolumbiens – die Dschungelregion Chocó.

Am 22. April 2020 war es endlich soweit: Ein kleines Flugzeug durfte trotz Ausgangssperre mit Sondererlaubnis abheben und landete auf dem Flughafen Condoto im Chocó, einer Region, die derzeit weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten ist. Im Flugzeug: ein siebenköpfiges medizinisches Krisen-Team aus Cali. Unter der Leitung des renommierten Katastrophenmediziners Laureano Quintero, Direktor des Salamandra Centro Internacional de Urgencias y Emergencias in Cali, werden vier Rettungssanitäter und eine Allgemeinärztin die infrastrukturell abgehängte Region Chocó durch die Corona-Krise begleiten.

Die Mission UBUNTU entstand aus der Zusammenarbeit zwischen CASA HOGAR, der Diözese Istmina-Tadó und Dr. Quintero – Ehrenamtler von CASA HOGAR. Das Ziel der Mission: die lokale Bevölkerung im Chocó für einen Covid-19-Ausbruch zu wappnen. „Im Chocó gibt es kaum Mediziner, die Kenntnisse im Umgang mit Katastrophensituationen mitbringen“, beschreibt Laura Morales die alarmierende Ausgangslage im Chocó. Morales koordiniert als CASA HOGAR-Mitarbeiterin die Mission vor Ort und ist sich sicher: Ohne Unterstützung hätte die Region keine Chance gegen Covid-19.

Der wichtigste Aspekt der Mission ist der nachhaltige Wissenstransfer: Die medizinischen Experten aus Cali wollen die örtlichen Ärzte und Krankenpfleger für die Behandlung von Covid-19-Patienten schulen. Zum Training gehören dabei einerseits Schulungen zu Hygiene, korrekter Anwendung von Schutzmaterial und Herz-Lungen-Wiederbelebung. Daneben sollen aber auch nationale Vorgaben für Klinikprozesse an die Gegebenheiten im Chocó angepasst und umgesetzt werden – für die abgelegene Region im Dschungel kein leichtes Unterfangen. Mit der Hilfe aus der Großstadt Cali soll das nun gelingen. „Diese Maßnahme ist nicht nur für die aktuelle Notsituation wichtig, sondern auch langfristig ein Gewinn“, erklärt Morales.

Auch infrastrukturell war der Chocó denkbar schlecht aufgestellt, um gegen die Pandemie anzukommen. Dem lokalen Krankenhaus in Istmina fehlte es an Schutzmaterial, Testmöglichkeiten, Intensivbetten und Isolationsmöglichkeiten. CASA HOGAR spendete medizinische Geräte, um diesen Engpass entgegenzutreten. Für den Zeitraum der Pandemie wurde außerdem eine leerstehende Klinik von der Gemeindeverwaltung re-aktiviert, in der in Zukunft nur Covid-19-Patienten behandelt werden sollen. „Bei einem ersten Treffen in der Klinik haben wir gemeinsam mit den Experten aus Cali die vorhandene Infrastruktur inspiziert und angesichts der Gegebenheiten ihre bestmögliche Nutzung diskutiert“, erzählt Morales. Auch ein Aktionsplan für die Zusammenarbeit zwischen den Teams wurde geschmiedet.

Das Expertenteam aus Cali wird die nächsten Wochen im Chocó verbringen und dem lokalen Team bei allen Fragen zur Seite stehen. Personen zu finden, die im Chocó arbeiten wollen, sei nicht einfach, sagt Laura Morales. Das Gebiet gilt als Risikoregion; erkrankt man an dem Virus, sind die Gesundheitsaussichten schlechter als in den Städten. Dazu kommen die sozialen Probleme, Ermordungen, Gebietskämpfe, die auch trotz Covid-19 nicht abbrechen. „Wir sind daher umso dankbarer für den Einsatz der Experten aus Cali.“ So sieht das auch die lokale Bevölkerung: Auf der Straße werden die Mediziner aus der Stadt freundlich begrüßt, manche Chocoaner machen den Experten sogar Geschenke. „Seitdem die Mission UBUNTU hier ist, fühlen sich die Leute viel sicherer“, freut sich Laura Morales.

Doch noch ist viel zu tun: Das Gesundheitssystem im Chocó ist im Vergleich zum Rest des Landes infrastrukturell vernachlässigt und das Krankenhaus in Istmina soll und will nun in Rekordzeit aufholen. Das medizinische Personal muss auf den Umgang mit dem Virus inhaltlich vorbereitet werden. Die lokale Bevölkerung soll in Sachen Hygienemaßnahmen aufgeklärt werden. Und nicht zuletzt müssen die Menschen im Chocó mit Lebensmitteln versorgt werden. Denn wegen der Corona-Pandemie können viele von ihnen nicht mehr ihrer Erwerbsarbeit nachgehen; Erspartes haben die Wenigsten, weil sie ohnehin immer von der Hand im Mund leben. CASA HOGAR unterstützt deswegen parallel zur medizinischen Mission UBUNTU insbesondere auch Frauen und ihre Familien mit Nahrungspaketen (Projekt: Cabeza de Hogar). Denn fest steht: „Ich bin, weil wir sind.“

 

Mehr Infos zum Covid-19-Maßnahmenpaket von CASA HOGAR

Infos zu COVID in Kolumbien (spanisch)
Infos zu COVID im Chocó (spanisch)

Die schulfreie Zeit im Wohnheim „Casa Hogar Niña María” ist vorbei: Seit Ende Januar sind die Mädchen zurück vom Urlaub bei ihren Familien. Ein Rückblick

Zwei Mal im Jahr heißt es im Wohnheim in Istmina: Ferienzeit! Das Wohnheim schließt, und die Mädchen machen sich auf den Weg zu ihren indigenen Familien. Die meisten von ihnen haben eine beschwerliche Reise durch den Dschungel vor sich. Acht bis neun Stunden dauert ihre Fahrt über die Flüsse, die im wenig erschlossenen Chocó als Straßen dienen. Die Eltern holen ihre Töchter im Wohnheim ab und begleiten sie auf dieser Reise. 50 Euro pro Person kostet die Fahrt – für die Familien im Chocó ein hoher wirtschaftlicher Aufwand. Die meisten von ihnen leiden unter Armut.

Doch der Aufwand lohnt sich. Mehr als zwei Monate dauern die Ferien, von Ende November bis Ende Januar. Kehren die Mädchen in dieser Zeit zu ihren indigenen Familien zurück, besinnen sie sich auch auf ihre Wurzeln. Im Wohnheim in Istmina sprechen sie die meiste Zeit nur Spanisch. Bei ihren Familien kommen sie wieder in Kontakt mit ihrer Tradition und Sprache. Außerdem können die Mädchen zu Hause in die ursprüngliche Natur eintauchen, etwa bei einem Flussbad. Ein Erlebnis, das in Istmina aufgrund der Verschmutzung nicht möglich ist.

Die Mädchen stammen aus zwei unterschiedlichen Ethnien. Janyelina (11), Shirley (16) und Russili (10) gehören der der indigenen Wounaan-Ethnie an, Jannesy (9) und Jessenia (11) dem Volk der Embera. Bei ihren Familienbesuchen können sie das Wissen weitergeben, das sie im Schulunterricht erhalten haben. Die Eltern, die meist keinen Zugang zu Bildung hatten, sind stolz auf ihre schlauen Töchter.

Wenn die Mädchen nach der zweimonatigen Ferienzeit ins Wohnheim „Casa Hogar Niña María“ zurückkehren, sind manche von ihnen schwer bepackt mit Köstlichkeiten aus ihren Dörfern: Kochbananen, Früchte, Reis. Stolz präsentieren sie den anderen ihre Mitbringsel. Bis zu den nächsten Ferien!

Mit einem Benefizkonzert und dem neuen Programm „Das Leben ist schön“ im Euskirchener Cityforum ersang Deutschlands derzeit interessanteste Vokal-Pop-Band über 8000 Euro für zwei gute Zwecke.

Etwas über ein Jahr war es her, dass die Alten Bekannten letztmalig in Euskirchen aufgetreten waren. Und so fiel es ihnen leicht, das ausgehungerte Publikum – gut 600 Menschen waren ins CityForum gekommen – vom ersten Lied an zu begeistern. Aber nicht nur, um zu singen, kamen sie nach Euskirchen, sondern auch zur Unterstützung von zwei Hilfsorganisationen. Da CASA HOGAR von Anfang an vor allem durch die Unterstützung der Einwohner*innen Euskirchens, der Heimat des Vereinsgründers Dr. Theodor Rüber, getragen wurde, war es CASA HOGAR wichtig, mit der Organisation des Alte-Bekannte-Konzerts in Euskirchen in gewisser Hinsicht auch „Danke“ zu sagen. Und dieses Dankeschön wurde vom Euskirchener Konzertpublikum mit großer Begeisterung aufgenommen, was sich sowohl im enormen Applaus für die Alten Bekannten zeigte, als auch in den großzügigen Spenden, die je zur Hälfte an CASA HOGAR und an MISEREOR gehen, jenes Hilfswerk, mit dem die Alten Bekannten traditionell zusammenarbeiten.

Mit ihrem neuen, zweiten Programm „Das Leben ist schön“ beweisen die Alten Bekannten ein gutes Gespür für den Nerv ihres nicht mehr ganz jungen, jedoch nicht minder euphorisierten Publikums. Mit den intelligenten Texten ihrer Lieder und humorvollen Zwischenansagen schafften die Alten Bekannten (die Nachfolgeband der Wise Guys) ein Stimmungshoch, das bis zur Pause nur noch getoppt wurde von der hier in Euskirchen natürlich besonders frenetisch bejubelten Antihymne „You’re in the Eifel now“, die zur Melodie von Status Quos „In The Army Now“ Dunggeruch, Traktorenstau, freiwillige Feuerwehr, Frühschoppen und andere Eifelklischees aufs Korn nimmt.

Und so hinterließen die Alten Bekannten nach gut zweieinhalb Stunden ein restlos begeistertes Publikum, das sich anschließend ins Foyer begab, um sich Getränke und Autogramme zu holen – und um an den Ständen von CASA HOGAR und MISEREOR für den guten Zweck zu spenden.

Ein fantastisches Line-Up von 22 (!) KünstlerInnen und Gruppen aus neun Nationen (!!!) kommt am zweiten Adventssonntag im TREiBHAUS Innsbruck zusammen und musiziert zugunsten von CASA HOGAR. Dazu gibt es eindrucksvolle Videoinstallationen mit Bildern aus dem Chocó von Angelika Huber und die gewitzte Moderation des Kabarettisten Markus Koschuh. Motto der Veranstaltung:
“Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln”.
Wow. Das sollte wohl mit ziemlicher Sicherheit ein Abend der Kategorie “unvergesslich” werden.

10. Dezember 2017
18 Uhr
TREiBHAUS
Innsbruck

Es empfiehlt sich, JETZT Tickets online zu kaufen, bevor sie aus sind, am besten gleich hier.
Preis: 12€ Vorverkauf, 16€ Abendkasse

Denn unsere Kunstbotschafterin Magdalena Hoffmann hat nicht einfach irgendwen zum Mitmachen überredet, sondern absolute Spitzen-MusikerInnen aus Klassik, Jazz, Volksmusik (genauer: Volksmusiken verschiedener Nationen), Musikkabarett und und und …
Klingt nach einem bunten Strauß? Einem wilden Gemisch? Wir würden sagen: Klingt nach einem mehr als amtlichen Feuerwerk, das dort im TREiBHAUS abgefackelt wird!

Und das alles, wie es sich für ein Benefizkonzert gehört, für den guten Zweck, sprich: für CASA HOGAR, für Bildung und ein Zuhause für Mädchen in Kolumbien.

Mit dabei:
Martha Bonilla (kolumbianische Harfe) / Florian Bramböck (Saxophon) / Marcella Carboni (Jazz-Harfe) / Alistair Duncan (Posaune) / Otto Ehrenstrasser (Tiroler Volksharfe) / Raul Funes (Gitarre) / Magdalena Hoffmann (Konzertharfe) / Lucy Landymore (Perkussion/Komposition) / Susanne Langbein (Sopran) / Juri de Marco (Horn, Jazz-Trompete) / Martin Ohrwalder (Flügelhorn) / Franz Posch (steirische Harmonika) / Luis Reichard (Flügelhorn, Komposition) / Robert Sölkner (Klavier) / Dragan Trajkovski (Bass) / Duo Magnisea (Konzertharfe, Violine) / Duo Ohrwärmer (Flöte, Gitarre) / Groovin‘ Tango QuINNtett / Die Innsbrucker Böhmische / Moderation: Markus Koschuh / Video-Installationen: Angelika Huber

Special Guest: Aleksey Igudesman (Violine)

Überraschung #2: CASA-HOGAR-Gründer wird Cusanuspreisträger

Gesellschaftliches Engagement gehört gefördert, findet das Cusanuswerk, und schreibt alle zwei Jahre den mit je 5.000€ für bis zu drei PreisträgerInnen dotierten Cusanuspreis aus. Die Jury, fünf VertreterInnen aus den Bereichen Medien, Wissenschaft und Forschung sowie Wirtschaft und Kirche, befand: Theodor Rüber, Gründer von Casa Hogar und ehemaliger Cusaner, ist einer der Preisträger 2017.

Wir dürfen uns also über € 5.000 mehr freuen, die recht unverhofft für CASA HOGAR zur Verfügung stehen, und die in Anbetracht des Nachbesserungsbedarfs am Internatsgebäude in Istmina und dem neubegonnen Projekt in Pángala auch wirklich benötigt werden, und auch zur Tilgung unserer Overhead-Kosten und für Strukturverbesserungen im Team CASA HOGAR Deutschland können wir das Geld sehr gewinnbringend einsetzen. Die Idee hinter dem Preis ist, aktuelle und ehemalige StipendiatInnen des Werks in ihrer ehrenamtlichen Arbeit zu unterstützen, sei es im politischen, sozialen, oder kirchlichen Kontext. Kriterien sind unter anderem Nachhaltigkeit und Multiplikatoreffekte in der Umsetzung des jeweiligen Projektes. Nebst Philipp von der Wippel von ProjectTogether wird auch Theodor Rüber ausgezeichnet:

„Ich nehme den Preis gerne an, stellvertretend für alle jene, die in den letzten eineinhalb Jahren geholfen haben, die Vision von CASA HOGAR zu realisieren, sei es vor Ort in Kolumbien oder aus der Ferne. Wir sind stolz darauf, dass CASA HOGAR so schnell gewachsen ist und viel erreicht hat, und dass dem Projekt – sei es von den vielen uns unterstützenden SpenderInnen oder über einen Preis wie diesen – Wertschätzung entgegengebracht wird. Das ist uns Verpflichtung und Ansporn, unsere Arbeit weiterzuführen.“

Die offizielle Preisverleihung findet am 17.11. im Collegium Leoninum in Bonn statt. Wie genau wir das Geld einsetzen werden, ist noch nicht entschieden – aber wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden!

 

 

(Bild: https://stiftung.cusanuswerk.de/cusanus-preis/cusanus-preis-2017.html)

Laufen in Troisdorf für den Bau im Chocó

Eine der bereits angedeuteten schönen Überraschungen hat uns die Europaschule Troisdorf vergangene Woche beschert: Bei einem Spendenlauf sammelten die Schülerinnen und Schüler satte € 14.624,85. Die Hälfte wird die Schule in eigene neue Spielgeräte und Außenanlagen investieren, ein Viertel gehen an das Projekt „Future for Nepal’s Children“, und ein Viertel an: CASA HOGAR! Da ziehen wir den Hut, und bedanken uns ganz herzlich fürs An-uns-Denken und Für-uns-Laufen!

Weil nicht nur Sportlichkeit, sondern auch ein wetterfestes Naturell gefragt war, gibt es leider wenig Fotos, die wir mit euch teilen könnten — die sind zumeist wegen des Regens nichts geworden. In jeglicher Hinsicht also klasse Engagement und viel Durchhaltevermögen der SchülerInnen, und natürlich ihrer LehrerInnen: Als Streckenposten auszuharren war unter den Bedingungen wahrscheinlich häufig der unangenehmere Job.

Der organisatorische und sportliche Aufwand hat sich allerdings wirklich gelohnt. Zwei Stunden lang wurde Runde um Runde um den Sportplatz gezogen (es scheinen angehende LangstreckenläuferInnen dabei zu sein — einige hielten 20 km durch) und dadurch einiges an Baumaterial und Arbeitsstunden vor Ort im Chocó finanziert. Das hilft CASA HOGAR spürbar weiter.

Und für uns ist solch unverhoffte Unterstützung nochmal eine extra Motivation. Damit die Mädchen im Chocó genauso selbstverständlich in die Schule gehen und um Sportplätze laufen können wie die Kinder an der Europaschule Troisdorf. Danke!

Weitere Überraschungen folgen… ?

Auch flussabwärts wird Hilfe benötigt …

Im kleinen, abgelegenen Dorf Pángala, gut 100 Kilometer südlich von Istmina gelegen, entsteht ein Essenspavillon für die Schülerinnen und Schüler der dort ansässigen Schule. Damit der dringend benötigte Bau realisiert werden kann, leistet CASA HOGAR hier ab sofort Unterstützung.

Wer nach Pàngala reist, muss sich auf eine beschwerliche Reise gefasst machen. Das kleine Dorf am Ufer des Río San Juan ist nur über Wasser erreichbar. Von Istmina aus dauert die Bootsfahrt ganze fünf Stunden. Immer flussabwärts, durch von Guerillagruppen dominiertes Gebiet.

Die Abgelegenheit des Dorfes bewahrt ihre Bewohner aber nicht vor den Problemen, die auch andernorts im Chocó vorherrschen. Im Gegenteil. Die verarmte, zum größten Teil indigene Bevölkerung des Bezirks „Litoral del San Juan“ leidet stark unter den gewalttätigen Konflikten rivalisierender Guerillagruppen und der Staatsmacht.

Inmitten dieser Probleme leitet Javier Sarco die „Institución Educativa Santa María de Pàngala“, eine Schule mit aktuell zehn Lehrern für mehr als 360 Schülerinnen und Schüler. Finanziert wird die Bildungseinrichtung durch staatliche Mittel. Diese reichen für eine Grundversorgung der Schülerinnen und Schüler mit Lehrmitteln und Mittagessen gerade so aus, nicht jedoch für darüber hinausgehende und teilweise ganz basale Ausstattung wie zum Beispiel für einen Ort für das gemeinsame Mittagessen. Zumindest das wollen wir ändern.

Im Austausch mit Schuldirektor Sarco, der durch unseren beherzten Mitstreiter Padre Jonjhairo initiiert wurde, stellten wir schnell fest, dass CASA HOGAR bereits mit überschaubarem Mitteleinsatz große Hilfe vor Ort leisten kann. Durch unsere Zusage den Bau eines Essenspavillons finanziell zu unterstützen, geben wir der Bildung junger Menschen in Pángala nun einen geschützten Raum. Damit starten wir kein zweites Großprojekt, an dem wir uns womöglich verheben können. Vielmehr senden wir ein kleines Zeichen der Solidarität nach Pángala.

Was bedeutet das konkret? CASA HOGAR hat sich entschlossen die Baukosten des geplanten Pavillons zu tragen, insgesamt voraussichtlich 6000 Euro. Hauptsächlich fließt das Geld in die Beschaffung von Baumaterialien, wobei die ganze Dorfgemeinschaft selbst einen Großteil der Materialien beisteuert und außerdem aktiv und tatkräftig beim Bau mithilft. Um einen fachgerechten Ablauf zu gewährleisten, engagieren wir darüber hinaus eine externe Bauingenieurin, die Pángala regelmäßig besuchen wird. (Eine Bauaufsicht zahlt sich aus; wir haben aus unseren Fehlern gelernt.) Zudem sind vor Ort ein Vorarbeiter und zwei qualifizierte Arbeitskräfte angestellt, die die lokalen Unterstützer anleiten werden. Architektonisch orientiert sich der Bau auf Wunsch des Schulleiters an der vorhandenen Bebauung in Pángala, unter anderem mit Bauelementen aus verarbeiteten Palmblättern.

In den vergangen zwei Wochen ist die Baustelle von den Helfern vor Ort bereits tatkräftig vorbereitet worden, sodass dem Baubeginn nun nichts mehr im Wege steht. Sofern uns nicht die politische Situation oder das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen, wird der Pavillon in zwei Monaten für das erste gemeinsame Mittagessen bereitstehen. Es tut sich was.

Die Möglichkeit, in Pàngala zu helfen, zeigt: Auch in den entlegensten Teilen der Region können wir noch Mitstreiterinnen und Mitstreiter für unsere Sache gewinnen. Das stimmt uns froh und optimistisch. Denn es gibt weiterhin viel zu tun für die Stärkung von Bildung im Chocó; flussaufwärts und flussabwärts.

1600 Euro bei Kirchentagssammlung

Bodo Wartke sang bei der „Nachtschicht“ auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag …

… und hatte gleich zwei gute Zwecke im Gepäck. Dazu später mehr. Erst einmal Klammer auf:

Die „Nachtschicht“ ist ein experimentelles Format, eine Mischung aus Show-Revue und Gottesdienst, initiiert und moderiert von Pfarrer Ralf Vogel, Stuttgart. Die Nachtschicht vereint Musik, Gebete, Gesänge, Impulsreferate und Interviews mit verschiedenen profilierten Gästen. Am Freitagabend waren dies unter der Losung „Ich höre dich“: Dieter Falk und Sohn Paul, die gemeinsam musizierten und im Gespräch von der Kraft der Musik und des gemeinsamen Musizierens erzählten; Bundestagspräsident Norbert Lammert mit einigen knackigen Thesen zu den Spielregeln und Möglichkeiten, aber auch den Begrenzungen des (öffentlichen) politischen Diskurses; der Soziologe Prof. Hartmut Rosa, der teils wissenschaftlich, teils eng auf persönliche Erfahrung rekurrierend darlegte, wie Musik „unser Weltverhältnis verflüssigen“ kann; und nicht zuletzt der Klavierkabarettist Bodo Wartke, der in Lied und Interview spürbar werden ließ, dass die Liebe zur Sprache (besonders zum genialischen Reim) eben durchaus auch eine politische, ja, moralische Komponente hat, wenn sie zum verstehenden, differenzierten und engagierten Hinhören animiert.

Klammer zu.

Das verstehende Hinhören als Basis gelingenden Miteinanders – das war der eine, sehr allgemeine „gute Zweck“ Wartkes. Der andere, vergleichsweise konkrete, waren … wir von CASA HOGAR!

Dass die Nachtschicht ein Gottesdienst ist, zeigt sich nämlich nicht nur in Gesängen und Gebeten zwischen den Interviews und Darbietungen, sondern auch in einem „Opfer“ bzw. einer „Kollekte“ für einen jeweils wechselnden guten Zweck. Am Freitagabend war dies CASA HOGAR.

Wartke erklärte den gut 850 Anwesenden, warum er ausgerechnet uns vorgeschlagen hatte: „Dass Frauen und Kinder immer wieder sofort zu den ersten Opfern von Unterdrückung und Ausbeutung werden, einfach weil es geht, das regt mich einfach auf. […] CASA HOGAR zeigt, dass man wie Theodor Rüber als Einzelner einfach anfangen kann, und man kann etwas bewirken. Etwas ganz Konkretes, etwas Gutes, etwas, das wirklich hilft. […] Oft genug denkt man ja: ‚All das Leid – was kann ich als Einzelner da schon tun?‘ Und dann sehe ich eine Initiative wie CASA HOGAR und denke: ‚DAS!‘“

Damit sprach er den vier CASA-HOGAR-Teamern und den sieben spontanen Helfern, die wir im Vorfeld in Berlin hatten gewinnen können, natürlich aus der Seele. Denn das ist ziemlich punktgenau unser aller Antrieb, und deshalb waren wir ja auch nach Berlin zum Spendensammeln gereist. Und offenbar resonierten seine Worte auch bei den anderen Anwesenden: 1600 Euro kamen noch am Abend zusammen, weitere Spenden mittels Überweisung hochwahrscheinlich.

Danke Bodo!

Danke auch Ralf Vogel!

Dankedankedanke unserer Berliner Spontan-Helfer-Gruppe! War super mit
euch!

Und vielen herzlichen Dank allen Spenderinnen und Spendern!

Reisebericht Teil II

Die im vorherigen Beitrag angesprochenen Baumängel haben uns verunsichert. Es geht um kleinere Dinge wir Stufenhöhen und Türnischen, aber auch um Wesentliches, wie falsch betonierte Säulen, die zum Absacken einer der Hauswände führen. Warum? Weil an falscher Stelle am Baumaterial gespart wurde. Die Folge ist, dass sich der Einzug der Mädchen ein weiteres Mal verzögert. Derartige Probleme können und müssen wir in Zukunft verhindern.

Lektion Nummer eins: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Wobei: Kontrolle im Sinne einer Hierarchie kann bei Entwicklungs_zusammen_arbeit natürlich nicht unser Anspruch sein, zumindest nicht, wenn wir unser Prinzip der Partnerschaftlichkeit ernst nehmen. Aber klar: genauer Überblick ist wichtig. Enger Austausch ist wichtig. Nachvollziehen und verstehen können, was auf der jeweils anderen Seite des Ozeans passiert (und warum), ist wichtig.

Lektion eins b: Kontrolle ist nötig, aber Vertrauen-Können ist besser.

Nur – wie kommt man dahin? Von Deutschland aus, mit einem Bauprojekt in einem anderen
Kontinent? Als NGO, die in jeglicher Hinsicht jung (Durchschnittsalter der Mitglieder ebenso
wie die Kürze des Bestehens der Organisation) ist?

Ein entscheidender Schritt: Vor Ort sein. Mit den Leuten, nein, nicht: den Leuten, sondern:
unseren Partnern reden. Einander Kennenlernen. Und vor allem: sich selbst als
vertrauenswürdig erweisen. Aber eben auch: die Prozesse in Istmina, die Dynamiken, die
Hierarchien hinterfragen. Bei wem ist welche Verantwortung gut aufgehoben, wem kann
man auch mal blind vertrauen und wo hakt man lieber zweimal nach? Was sind die äußeren
Faktoren, die wir ändern können, und was sind die Dinge, die „nun einmal so sind“ und die
wir einfach einplanen müssen?

Spoiler alert: Unsere Reise hat uns hier ein enormes, ein riesiges Stück weitergebracht. Wir
sind von Geldgebern zu Gesprächspartnern geworden.

Wir werden noch enger mit Ernesto und Andrea, die für das Qualitätsmanagement vor Ort
zuständig sind, sowie dem Architekten Enrique zusammenarbeiten. Eine noch zentralere
Rolle wird jetzt Padre José Doney zukommen, der Schulleiter des Colegio Diocesano San
José und der eigentliche Initiator der CASA-HOGAR-Idee ist. Er ist von nun an Direktor der
neu gegründeten diözesanen Stiftung, die Träger des CASA HOGAR Projektes in Kolumbien
wird.

Diese Neuverteilung von Verantwortlichkeiten war zunächst ungewohnt, vor allem für
den bis dahin federführenden Bischof Julio García. Aber:

Lektion Nummer zwei: Was sein muss, muss sein.

Wir sind es uns, unseren Unterstützern, und vor allem den Mädchen schuldig, sofort
Konsequenzen zu ziehen, wenn wir bemerken, dass etwas nicht so läuft, wie es sollte.

Last but not least, Lektion drei: Erwarte das Unerwartete.

Wie wir erfahren mussten, behaupten sogenannte „Invasoren“, das Land auf dem wir
bauen, gehöre Ihnen, und machen unseren Vorarbeitern das Leben in vielfacher Hinsicht
schwer. Es klingt absurd: „Invasoren“ rammen Begrenzungspfähle auf anderer Leute Boden,
um „ihren Claim“ abzustecken wie Goldschürfer in Alaska um 1900, und spekulieren dabei
oft genug erfolgreich auf fehlende Gegenwehr. Denn: Die Kirche kann zwar beweisen, dass
der Baugrund auch wirklich ihr Eigentum ist, aber Gerichtsprozesse sind langwierig und
teuer. Und solche Invasoren schrecken auch nicht davor zurück, ihre Ansprüche wo nötig
noch mit Gewalt zu unterstreichen. Es ist mehr als ein weiterer Stein im Schuh – aber wir
humpeln weiter.

Denn: Alles in allem können wir trotzdem eine positive Bilanz ziehen. Da wo bei unserem
letzten Besuch nur ein Fundament lag, steht jetzt ein richtiges Haus. Es ist noch nicht
einzugsfertig, und nachgebessert werden muss auch, aber es ist ein Haus, in dem bald
zwanzig Mädchen werden wohnen können.

Eine Mauer ist entstanden. Sie sichert das Grundstück, auf dem einmal Kinder lernen und
spielen werden, gegen die vielbefahrene Straße ab. Da, wo wir letztes Mal relativ
ahnungslos herumgereicht worden sind, konnten wir nun kritische Fragen stellen,
Antworten einholen, uns eine Meinung bilden. So, wie unser CASA-HOGAR-Deutschland-
Team zahlenmäßig wächst, so wachsen durch unsere Besuche auch unser Ansehen in
Istmina und unsere Einsicht in die dortigen Vorgänge. Unsere Rolle ist eine andere
geworden. Wir begegnen einander auf Augenhöhe – und wir halten den Blickkontakt.
Wir sind froh, und ein wenig stolz, aus weiter Ferne den Bau eines Hause in einem
abgelegenen, von Rebellen umkämpften Teil des kolumbianischen Regenwaldes zu
ermöglichen und zu begleiten. Dass das ganze kein Spaziergang werden würde, war
irgendwie klar. Aber die Dimension des Ganzen, und was es heißt, in Strukturen
einzugreifen, die mit unseren Strukturen nur entfernte Ähnlichkeiten haben, ist ein langer
Lernprozess. Letzlich hängt alles von loyalen, respektierten und gut vernetzten Menschen
wir Padre José Doney und seinem Team vor Ort ab.

Und danken müssen wir vor allem auch unseren vielen Unterstützern, die uns finanziell und
mit ihrem Wissen Tag für Tag helfen. Nach dem letzten Besuch in Istmina können wir nur
einmal mehr bestätigen: Die Sache ist es definitiv wert.

Reisebericht Teil I

Im März waren vier Mitglieder unseres deutschen CASA HOGAR Teams in Bogotá und Istmina um sich mit den Akteuren vor Ort auszutauschen, Eindrücke zu sammeln und neue Ideen zu formulieren, zu filmen und zu fotografieren – und natürlich um Fort- und Rückschritte unseres Projektes zu begutachten.

Theodor, Agnes, Angelika und Jenny waren für etwa eine Woche dort, wo fleißige Hände Stein auf Stein setzen, um den ersten Mädchen bald den Einzug in unser Internat zu ermöglichen. Vom Jetlag und dem Kampf mit Moskitos einmal abgesehen: Wie sieht denn so ein CASA HOGAR Kolumbienbesuch eigentlich aus, was macht der mit einem, so „innen drin“?

Die Reise war aufregend, fordernd, inspirierend, ernüchternd, lohnend, schwierig, einschüchternd, ermutigend — und noch so viel mehr. Nein, wir sind nicht manisch-depressiv. Aber Kolumbien und unser Arbeits-, nun, Alltag dort ist voller Kontraste: Ein Besuch in Anzug und mit Klimaanlage bei Institutionen wie der GIZ und der Konrad-Adenauer-Stiftung gehören genauso dazu, wie die Lebensgeschichte von Mädchen wie Marcía.

Marcía ist 14 — und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Und praktisch mittellos. Marcía ist der Grund, warum CASA HOGAR so wichtig und richtig ist. Die Probleme der Region und ihrer Bewohner, von Guerillakämpfen bis hin zu Kinderprostitution, sind uns zwar bekannt, aber jedes Einzelschicksal geht noch einmal doppelt nahe. Und gibt neue Energie – die wir auch brauchen:

Die Sicherheitslage im Chocó ist bedenklich, erst im zweiten Anlauf und mit Polizeieskorte war es uns überhaupt möglich, bis nach Istmina vorzudringen. Der erste Versuch scheiterte an einem Hinterhalt: Wir sind nachts unterwegs und werden von einem Auto überholt. Wenig später kommt uns just dieses Auto, mit sichtlich gesteigerter Geschwindigkeit entgegen. In der Ferne vor uns meinen wir das Aufleuchten von Taschenlampen und Scheinwerfern zu sehen. Unser erfahrener Fahrer zögert keine Sekunde. Äußerlich wahrt er relative Ruhe, aber das Tempo, mit dem er wendet, lässt seine wahre Gefühlslage erahnen.

Passiert ist zwar niemandem etwas, aber der Schreck sitzt dann doch erstmal tief in den Knochen. Uns wird erklärt, derartige Vorfälle seien auf das durch den Friedensvertrag mit der FARC entstandene Machtvakuum zurückzuführen. Es klingt absurd, aber die Machtfülle der FARC wirkte durchaus ordnend unter den Guerilla-Gruppen, die nunmehr wie von der Leine gelassen agieren.

Als wir es zur Baustelle geschafft haben, wird der eine Schock vom nächsten abgelöst: Es gibt Mängel am Fundament des Hauses, und sie hätten vermieden werden können. Willkommen in der Grauzone: wer hat „Schuld“, (hat jemand Schuld?), wie können wir wo etwas in Zukunft vermeiden? Liegt Schlamperei zugrunde oder Korruption? Wir lernen, dass wir unsere Kontrollmechanismen noch weiter werden verfeinern müssen. Glück im Unglück: Die Mängel lassen sich größtenteils beheben oder abmildern, und sind nichts, was den Einzug der Schülerinnen in ein sicheres Gebäude verhindern würde. Wir nehmen mit: Es läuft nicht perfekt, aber den Umständen entsprechend gut. Dennoch eine bittere Pille, die es nun zu schlucken gilt und die zeigt, wie wichtig unser Besuch hier ist.

Was da hilft und unsere Stimmung massiv aufklart: die Herzlichkeit und Freude der SchülerInnen des Colegio Diocesano San José. Sie haben uns seit unserem letzten Besuch genauso wenig vergessen, wie wir sie, und empfangen uns mit einem breiten Repertoire verschiedenster Aufführungen (besonders erwähnenswert hier die hauseigene Interpretation von „My heart will go on“). Es ist nicht nur wichtig — es ist auch wirklich, wirklich schön, dass wir hier sind!

Zum zweiten Mal war ein Team von CASA HOGAR Deutschland zu Besuch im Chocó. Theo war natürlich dabei; ebenso natürlich: Agnes und Angelika, die das ganze Jahr über den alltäglichen engen Kontakt zu CASA HOGAR Kolumbien aufrecht halten und schon auf der ersten Reise dabei waren; und nicht zuletzt Jenny aus unserer Teamkoordinationsgruppe, die neben ihrem Organisationstalent auch ihre durch instagram-Routine bemerkenswert verfeinerten Foto-Skills nach Kolumbien und infolgedessen einige sehr starke Aufnahmen von dort zurück nach Deutschland brachte.

Es war, ohne Übertreibung, für alle vier ein extrem aufregender, aufreibender Trip, mit einigen ziemlich entscheidenden Konsequenzen für unser gesamtes CASA-HOGAR-Projekt. Derzeit arbeiten wir noch daran, die Erlebnisse im Chocó für Sie intelligibel aufzuarbeiten:
die Treffen mit Botschaftern oder Gesellschaft-für-internationale-Zusammenarbeit-Vertretern;
ein in letzter Sekunde abgewendeter Überfall im Dschungel;
erfreulicher: das (persönliche) Kennenlernen von neuen und das Wiedersehen mit den alten Mitgliedern von CASA HOGAR Kolumbien und mit Schülerinnen und Schülern des Colegio Diocesano;
außerdem — so viel „comic relief” muss sein — slapstickartige Kung-Fu-Kämpfe mit verwirrten Fledermäusen …
Und nicht zuletzt: massive Probleme, aber auch beeindruckende Fortschritte beim Hausbau — dies ist eine stark gekürzte Auflistung der nur allerallerwichtigsten Eckpunkte …

Unsere Kräfte sind derzeit in vielen Bereichen gleichzeitig gebunden: Homepage-Relaunch, Kirchentag-Präsentation, Team-Wochenende, Spendenkampagne, Anträge hier und Anträge dort … zum Glück sind wir viele, zum Glück sind wir fit und willig, und zum Glück liegt die Motivation in der Aufgabe selbst! Vamos!

Zum zweiten Mal war ein Team von CASA HOGAR Deutschland zu Besuch im Chocó. Theo war natürlich dabei; ebenso natürlich: Agnes und Angelika, die das ganze Jahr über den alltäglichen engen Kontakt zu CASA HOGAR Kolumbien aufrecht halten und schon auf der ersten Reise dabei waren
Zum zweiten Mal war ein Team von CASA HOGAR Deutschland zu Besuch im Chocó. Theo war natürlich dabei; ebenso natürlich: Agnes und Angelika, die das ganze Jahr über den alltäglichen engen Kontakt zu CASA HOGAR Kolumbien aufrecht halten und schon auf der ersten Reise dabei waren

Der großartige “Klavierkabarattist” Bodo Wartke ist mit seinem Programm “Was, wenn doch?” zu Gast auf dem diesjährigen Kirchentag. Doch nicht nur das: Er ist neben Norbert Lammert und Dieter Falk auch einer der Köpfe beim Nachtgottesdienst “Ich höre dich”. Und vor allem: Wir von CASA HOGAR sind da auch!!! Im Rahmen des Gottesdienstes wird Bodo unser Projekt vorstellen und sein anschließendes Benefizkonzert zu Gunsten des Ausbaus der Schule in Istmina spielen. Der Termin: Freitag, 26.5., um 21 Uhr in der “Mercedes-Welt am Salzufer”. Herzliche Einladung: selber kommen und weitersagen! Rundum gute Sache!

 

(Bildquelle: www.bodowartke.de)